

Nach Olching fahren? Oder nicht? Massen an Speedwayfans dürften am Donnerstag diese Entscheidung bis auf die letzte Minute hinausgezögert haben, so unsicher war die Wetterlage. Folglich war „Anstehen“ angesagt, wenn man kurz vor Rennbeginn noch ein German Open-Ticket kaufen wollte. Stefan Ehrnböck berichtet von einer Menschenmenge, welche er schon sehr lange nicht mehr vor der Motorsportarena an der Amper erlebt hätte: „Alle wollten ins Stadion.“ Der 2. MSCO-Vorsitzende konnte jedoch schnell zusätzliches Verkaufspersonal und Equipment organisieren, um die Lage zu beruhigen.
Dirigent Smolinski: Stahlschuh statt Taktstock!
Auch auf der Zuschauerwiese war eindeutig zu merken, dass es innerhalb einer halben Stunde unwirklich voll wurde. Da spielte gerade die Olchinger Blaskapelle den Zug der Rennfahrer um die Sandpiste. Vorher wurden die Musikanten noch im Fahrerlager von einem dreifachen Langbahn-Weltmeister dirigiert. Ganz richtig: Martin Smolinski schlug den Takt zum Erzherzog Albrecht-Marsch nicht einem Stock, sondern mit seinem Stahlschuh. Der hier schon bestens gelaunte MSCO-Vorsitzende lieferte also ein perfektes Motiv für alle Fans, die gerne Handy-Videos machen.
Ein Dramaturg ist ein kreativer und organisatorischer Experte – beim MSC Olching müssen sie einen solchen haben. Der allerletzte Lauf nämlich war so inszeniert, dass ausschließlich Topfavoriten ans Startband rollten: Bastian Pedersen (bis dahin 11 Punkte), David Bellego (Frankreich, 11) und Sam Masters (Australien, 10). „Der alte Mann war auch dabei“, sagt Martin Smolinski mit einem Schmunzeln. Klar – dass er sich selbst meint und die vier Runden beschreibt der 41-Jährige so: „Pedersen war am Start weg und ist sehr clever gefahren. Ich war kurzzeitig Dritter, konnte dann Bellego niederringen und habe gleich danach Pedersen angegriffen.“ Die „Zähne“ hätte er sich dann aber ausgebissen: „Ich hing vier Runden lang am Hinterrad, kam aber einfach nicht vorbei. Als älterer Herr muss ich da schlicht sagen: Die Bikes der Jungen Wilden müssen 20 Kilo weniger transportieren, das macht etwas aus.“
Lauf 10: Der „Lehrling“ besiegte den „Meister“!
Stichwort „Zähne ausbeißen“: Schon in Lauf 10 erlebte Smolinski ein solches Szenario, als Mario Häusl alle seine Angriffe abwehrte. „Der Mario hat´s laufen lassen und dieses Mal hat es mich sogar gefreut, dass er gegen mich gewonnen hat“, betont er. Die Erklärung: Der Emmeringer ist ein Smolinski-
Schützling – kommt sozusagen aus seinem Rennstall. Dieser Punkt kostete „Smoli“ die Chance auf einen Podestplatz, als Gesamtvierter musste er das Stechen zwischen Bellego und Robert Chmiel (Polen) um die Plätze zwei und drei ansehen. Bellego siegte hier, zufrieden war der Vorjahressieger aber überhaupt nicht: „Ich hätte genügend Speed gehabt, um das Rennen zu gewinnen. Als Zweiter ist man der erste Verlierer, aber es war eine gute Show auf dieser schnellen Bahn, die ich sehr mag.“
Ronny Pedersen: „Die Bahn? Sie ist perfekt!“
Umso größer war die Freude in der Pedersen-Box, wo der Tagessieger klarstellte: „Im Bahnbelag gab es ein paar schwierige Stellen, aber keinen einzigen Crash und die Fans waren unglaublich. Ich bin einfach glücklich, hier zu sein, und auch noch gewonnen zu haben.“ Vater Ronny peitschte seine Bikes schon vor rund 30 Jahren um das Olchinger Oval und lobte den Veranstalter gar noch mehr: „Ich habe gleich wieder diese großartige Atmosphäre gespürt – die Fans dürfen im Fahrerlager bis an die Bikes heran. Trotzdem wirkt alles sehr entspannt und bestimmt genießen die Leute das. Zur Bahn: Sie ist perfekt – eine wahrhaftige Rennbahn! Hier wird alles immer noch sehr gut gemacht.“
Auch Stefan Ehrnböck würdigte den unermüdlichen Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer: „Wir konnten wieder gemeinschaftlich zeigen, wie gut der Motorsportclub Olching arbeitet. Die Stimmung im vollgefüllten Stadion war großartig und was uns nebenher freut: Stadträte aus allen Fraktionen sowie viele Medienvertreter haben unser Spektakel besucht. Keine Stürze, gut gelaunte Fans, Laola-Wellen, einfach Motorsport zum Anfassen – wir sind begeistert.
Maksymilian Pawelczak (Polen, 9 Punkte):
„Ich war zum ersten Mal hier und es hat mir sehr gut gefallen – ich habe neun Punkte erkämpft, damit bin ich wirklich sehr zufrieden. Die Bahn war sehr gut präpariert, darauf war richtig gutes Racing möglich.“
Francis Gusts (Lettland, 10 Punkte):
„Ich hatte gestern Abend noch ein Rennen in Dänemark und deswegen eine lange Fahrt nach Olching. Somit finde ich, dass mir mein Auftritt ganz gut gelungen ist. Das ist hier eine eher lange Speedwaybahn die sandig ist, man kann aber gut Speed aufbauen. Ich mag das – überhaupt fahre ich sehr gerne auf deutschen Bahnen.“
Valentin Grobauer (Deutschland, 7 Punkte):
„Alles im allem war es ein sehr gutes Rennen. Es ist etwas schade, dass die Bahn in den Pausen immer so stark bewässert wird. Das macht das Ganze nicht einfacher. Trotzdem hat es wieder großen Spaß gemacht, hier in Olching zu fahren – weil auch so viele Zuschauer hier waren.“
Michael West (Australien, 0 Punkte):
„Heute war ein großartiger Tag – die Bahn hat sehr gut hergehalten, dafür dass es langer Renntag mit Juniorenrennen war. Für die Fans war es bestimmt super, auch die Nachwuchs-Racer in den verschiedenen Klassen zu sehen. Es hat mir sehr gut gefallen. Sogar noch ein bisschen was von der bayerischen Kultur mitzubekommen, war aufregend.“
Hannah Grunwald (Deutschland, 4 Punkte):
„Der Tag war sehr gelungen. Es war eine schöne Veranstaltung, das Programm wurde stramm durchgezogen. Ich konnte ein paar Trainingsrunden fahren, da war die Bahn aber ganz anders als im Rennen. Wir hatten auch Probleme, das richtige Setup zu finden. Andererseits konnte ich heute viel lernen.“
Mario Häusl (Deutschland, 8 Punkte):
„Die Veranstaltung war super, der MSC Olching hat nichts falsch gemacht. Es waren perfekte Wetterbedingungen. Der Bahndienst hat gut gearbeitet, das Fahrerfeld war ausgeglichen, die Stimmung war richtig gut. Es hat mega Spaß gemacht, hier einmal wieder das komplette Rennen durchzufahren.“
David Bellego (Frankreich, 12+3 Punkte):
„Heute bin ich hier Zweiter geworden, darüber bin ich etwas enttäuscht, weil ich eigentlich genügend Speed gehabt hätte, um das Rennen zu gewinnen. Aber ich habe einen Fehler im letzten Lauf gemacht und wurde hier nur Dritter. Das brachte mich ins Stechen um Platz zwei, welches ich noch gewinnen konnte. Als Zweiter ist man der erste Verlierer, aber es war eine gute Show auf dieser schnellen Bahn, die ich sehr mag.“
Bastian Pedersen (Dänemark, 13 Punkte):
„Die Bahn war ziemlich gut, mit ein paar schwierigen Stellen im Belag. Es gab aber keinen einzigen Crash und die Fans waren unglaublich. Ich bin einfach glücklich, hier zu sein, und auch noch gewonnen zu haben.“
Ronny Pedersen (Vater von Bastian):
„Es ist eine schöne Rennbahn hier und ich fühle: Sie hat sich gar nicht so sehr verändert, seit der Zeit, als ich noch hier gefahren bin. Ich habe gleich wieder diese großartige Atmosphäre gespürt – die Fans dürfen im Fahrerlager bis an die Bikes heran. Trotzdem wirkt alles sehr entspannt und ich denke: Die Leute genießen das. Zur Bahn: Sie ist perfekt – eine wahrhaftige Rennbahn! Bastian war hier zum ersten Mal mit einer 500ccm-Maschine am Start und alles war so easy. Ihr macht das immer noch sehr gut!“
Sam Masters (Australien, 10 Punkte):
„Es war sehr schön, nach einigen Jahren wieder zurück hier in Olching zu sein. Die Kulisse war sehr gut und ich würde gerne wieder kommen!“
01. Bastian Pedersen (Dänemark) 14 Punkte
02. David Bellego (Frankreich) 12+3
03. Robert Chmiel (Polen) 12+2
04. Martin Smolinski 11
05. Sam Masters (Australien) 10
06. Matic Ivacic (Slowenien) 10
07. Francis Gusts 10
08. Maksymilian Pawelczak (Polen) 09
09. Mario Häusl (Ungarn) 08
10. Valentin Grobauer 07
11. Patrick Hyjek 05
12. Daniel Klima (Tschechien) 05
13. Hannah Grunwald 04
14. Zoltan Lovas (Ungarn) 01
15. Sebastian Kössler (Österrreich) 01
16. Dustin Schultz 01
17. Michael West (Australian) 00
18. Mike Jarczewski 00













