Interfraktioneller Antrag: Rote Bank „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“

Dr. Ingrid Jaschke: Meine Anfrage zum Sachstand Aktion „Rote Bank“ von Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck e. V. im Bauausschuss am 23.06.2026 wurde von Bürgermeister Gigl dahin gehend beantwortet, dass eine Rote Bank am Nöscherplatz nicht ins Stadtbild passe und daher dem Verein mitgeteilt wurde, dass Olching leider keinen geeigneten Standort anbieten könne.
Daraufhin reifte sowohl bei mir als zuständiger Referentin als auch bei etlichen Stadtratskolleginnen sowie auch -kollegen die Absicht, einen interfraktionellen Antrag zu stellen. Zum einen wollen wir für das wichtige Thema häusliche Gewalt öffentlich sensibilisieren und damit auch zur Prävention beitragen und Betroffene ermutigen Hilfe zu suchen. Zum andern finden wir es sehr bedauerlich, wenn sich die Stadt Olching als einzige unter 8 angefragten Kommunen an der landkreisweiten Aktion nicht beteiligen würde.
Wie unserem Antrag zu entnehmen ist, haben wir neben dem Nöscherplatz etliche weitere Standorte im Stadtgebiet als geeignet identifiziert.

Mit freundlichen Grüßen,
Ingrid Jaschke, Referentin für Migration, Integration und Gleichstellung
für alle am Antrag Beteiligten

Sehr geehrter Herr Bürgermeister oder Vertreterin im Amt,

sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats,

 

wir bitten um Behandlung unseres fraktionsübergreifenden Antrags in den Gremien.

 

Antrag der Referentin für Migration, Integration und Gleichstellung mit ÖDP/Ulrike Girtner, sowie den Fraktionen Für Olching/Stefan Eibl und SPD/Julia Worch                      

Der Stadtrat möge beschließen:

Die Stadt Olching unterstützt die Initiative von „Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck e. V.“ eine Rote Bank mit der Aufschrift „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“ an einem geeigneten Ort in Olching aufzustellen.

Begründung:

Die Rote Bank ist ein deutliches Zeichen: Gewalt gegen Frauen hat in unserer Gesellschaft und somit auch in unserer Stadt keinen Raum. Die Aktion verbindet zivilgesellschaftliches Engagement mit politischer Verantwortung und stärkt das Bewusstsein für den Schutz von Frauen‑ und Mädchenrechten und trägt darüber hinaus zur Stärkung der Prävention bei.

Die roten Bänke haben mehr als nur eine Symbolfunktion – sie dienen zugleich als niedrigschwelliger und öffentlich sichtbarer Informationspunkt. Die Bänke sind mittels Schildern und QR- Codes mit Informationen zum bundesweiten Hilfetelefon sowie zu regionalen Hilfsangeboten für Betroffene versehen.

Häusliche Gewalt ist ein Thema, das uns alle angeht. Viele Betroffene wissen nicht, wo sie Hilfe finden – die Bank soll genau hier ansetzen und niedrigschwellig informieren. Die Rote Bank ist ein starkes Zeichen gegen Gewalt und für Menschlichkeit. Sie steht für die Haltung „Wir schauen hin und helfen zusammen.“ Sie kann dazu beitragen, von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Mädchen zu ermutigen ihre Hilflosigkeit und viel zu oft auch Scham zu überwinden und Unterstützung aufzusuchen. 2024 wurden in Deutschland mehr als 265.000 Fälle häuslicher Gewalt zur Anzeige gebracht, 70 % davon betreffen Frauen und Mädchen. Einer im Februar 2026 veröffentlichten repräsentativen Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes und des Bundesfrauenministeriums zufolge werden jedoch lediglich 5 bis 10% aller Fälle erfasst.

Das Projekt „La Panchina Rossa“ wurde 2016 in Perugia, Italien, ins Leben gerufen um Menschen über das Thema „geschlechtsspezifische Gewalt“ zu informieren und dafür zu sensibilisieren. Mittlerweile wurde das Symbol in vielen weiteren Ländern aufgegriffen.

Die Farbe Rot steht für Blut und Leben. Die Rote Bank erinnert an die Plätze, die frei bleiben, wenn Gewalt gegen Frauen schwer verletzt und mitunter tödlich enden kann. Sie soll zum Nachdenken inspirieren und ist eine Aufforderung zu gewaltfreiem Miteinander, hinzusehen und beizustehen, wo Hilfe nötig ist.

Der Aufwand für die Stadt Olching ist gering: die Bank wird kostenlos zur Verfügung gestellt und muss lediglich in Fürstenfeldbruck (Caritas Werkstatt) abgeholt und an einem geeigneten Platz aufgestellt werden. Es ist anzustreben, die Aufstellung in zeitlichem Zusammenhang mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November durchzuführen.

Mögliche geeignete Standorte wären unseres Erachtens: beim Rathaus, Schwaigfeld/Schwaiganger (z. B. im Umfeld des Einkaufszentrums oder Sozialzentrums), Nöscherplatz, beim KOM… (diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit/schließt weitere mögliche Aufstellungsorte also nicht aus). Bei Platzmangel könnte ggf. auch eine bestehende Bank ausgetauscht werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Jaschke, Referentin für Migration, Integration und Gleichstellung

Ulrike Girtner, ÖDP

Julia Worch für die SPD-Fraktion

Stefan Eibl, für die Fraktion Für Olching

Olching, 20.07.2026

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11 Kommentare zu Interfraktioneller Antrag: Rote Bank „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“

  1. Athene sagt:

    Im Diskurs um die „Rote Bank“ lassen wir mal Zahlen sprechen.

    Zur Tötung von weiblichen Personen:
    Im vergangenen Jahr (2024) sind laut Bundeskriminalamt in Deutschland 308 Frauen und Mädchen gewaltsam getötet worden
    http://www.zdfheute.de/politik/deutschland/gewalt-gegen-frauen-lagebild-reform-hubig-100.html

    Zur Tötung von ungeborenen Kindern:

    Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 106 000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gegenüber dem Vorjahr mit -0,7 % leicht verringert.

    Das Verhältnis von Tötung von weiblichen Personen zu Tötung von ungeborenen Kindern beträgt folglich 308 : 106.00

  2. Dr. Tomas Bauer, Stadtrat in Olching sagt:

    Kein Platz für Gewalt gegen Frauen! Richtig. Rote Bank. Kein Raum für Gewalt gegen Kinder! Auch richtig: Gelbe Bank. Kein Weg für Gewalt gegen Rentner! Ebenfalls richtig: Graue Bank. Keine Ecke für Gewalt gegen Ausländer! Richtig: Farbige Bank. Keine Autobahn für Menschen gefährdende Raser! Richtig: Teerfarbene Bank. Keine Amperauen für Tierquäler! Richtig: Braune Bank. Keine Wiese für Umwelt-Zerstörer! Richtig: Grüne Bank. Kein Pfad für Gewalt gegen LGBT-People! Richtig: Quere Bank.
    Noch Platz für zusätzliche Bänke?

    • Athene sagt:

      Kein Platz für Gewalt gegen ungeborenes Leben: weiße Bank.

    • G. Strauch sagt:

      Die Rote Bank ist kein beliebiges Symbol, sondern Teil einer europaweit etablierten Initiative gegen Gewalt an Frauen. Sie steht für ein klar definiertes Anliegen und verweist auf konkrete Hilfsangebote für Betroffene. Dass es viele weitere wichtige gesellschaftliche Themen gibt, steht außer Frage – sie ändern aber nichts an der Bedeutung und Berechtigung dieser Aktion

    • Knud Christian Wilden sagt:

      Der Stadtrat B. gibt bekannt, dass ihn das Thema Gewalt gegen Frauen nicht sonderlich interessiert. Gut zu wissen. I.Ü. Haben sie eine Bank gegen Gewalt gegen gelangweilte Kommunalpolitiker vergessen: die Bierbank.

    • Marina Freudenstein sagt:

      Sehr geehrter Herr Kollege,
      was soll Ihre Polemik? Keine Gewalt in Deutschland (auch in Olching!) ist so verbreitet und wird so „tot“geschwiegen, wie die gegen Frauen. Das ist es allemal Wert, ein öffentliches Zeichen zu setzen und darauf aufmerksam zu machen. Die Rote Bank ist ein Denkmal/Mahnmal/Symbol für die Gewalt, Schläge, Erniedrigungen, Ausbeutungen, Verletzungen, Tötungen, die unheimlich viele Frauen tagtäglich erleiden.
      Wollen Sie eigentlich die Denkmäler für die Toten der zwei Weltkriege und die Gedenktafel an die Bombenopfer in Olching entfernen, nur weil es kein Denkmal für die in Olching gestrandeten Opfer von Flucht und Vertreibung, kein Denkmal für die vertriebenen/verschleppten Juden, kein Denkmal für die aus Olching ins KZ Verschleppten u.v.a. Opfergruppen gibt?
      Marina Freudenstein
      Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Stadtrat

  3. Dr. Ingrid Jaschke, Referentin für Migration, Integration und Gleichstellung sagt:

    Hallo zusammen,

    wie sich leider erst nach Einreichen des Antrags herausstellte, gab es wohl eine Kommunikationspanne: die Grünen-Fraktion wurde von mir angefragt ob sie als Antragstellerin mit unterzeichnen möchte. Da bei mir keine Rückmeldung einging, wurde der Antrag bedauerlicherweise ohne Beteiligung der Grünen-Fraktion eingereicht.

    Erst jetzt sickerte durch, dass sich die Fraktionsspitze der Grünen selbstverständlich dem Antrag anschließen möchte. Scheint einfach blöd gelaufen zu sein…

    • Marina Freudenstein sagt:

      Die Fraktion der Grünen schließt sich dem interfraktionellen Antrag natürlich an. In der Unterstützungsanfrage an uns wurde um eine „zeitnahe“ Rückmeldung gebeten. Der Antrag wurde dann bereits nach ein paar Tagen „sehr zeitnah“ nach der Anfrage eingereicht, noch ehe wir in der Fraktion der GRÜNEN darüber formal entscheiden konnte. Alle Mit-Antragsteller sind über unserer Zustimmung zum Antrag informiert worden.
      Eine Kommunikationspanne.
      Marina Freudenstein
      Fratktionsvorsitzende der GRÜNEN

  4. Knud Christian Wilden sagt:

    Sehr geehrte Frau Jaschke, eine sinnvolle und nachhaltige Aktion für dieses wichtige Thema – aber wahrscheinlich sind Sie bei unserem Bürgermeister unter die Bank gefallen, weil sie rot und nicht schwarz sein soll!!! Eine schwarze Bank hätte sicher ins Stadtbild gepasst! Wo sind eigentlich die Grünen bei diesem wichtigen Thema?

    • Michael Kircher sagt:

      Lieber Knud….die richtige Frage wäre, wo ist die „Fraktion Bündnis/90 Grünen“

      Gruß Michael

  5. G. Strauch sagt:

    Besonders bedauerlich ist, dass die Initiative zunächst mit der Begründung abgelehnt wurde, eine Rote Bank passe nicht ins Stadtbild. Gerade bei einem Symbol gegen Gewalt an Frauen sollte die Botschaft wichtiger sein als gestalterische Bedenken. Eine weltoffene und solidarische Stadt sollte für ein solches Zeichen einen geeigneten Platz finden.

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