Gerlinde Zachmann: Anhörung zum Vorentwurf Bebauungsplan Paulusgrube

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu den Alternativplanungen des Vorentwurfs des Bebauungsplans geben wir folgende Stellungnahme ab:

Die in unserem Schreiben vom 19.7.2017 vorgebrachten grundsätzlichen Einwendungen werden durch die Alternativplanungen nicht ausgeräumt. Wir machen diese daher erneut zum Gegenstand dieser Stellungnahme.

Die alternativen Planungen leisten für uns nicht den ausgewogenen Mix aus Einkaufen, öffentlicher und privater  – auch kultureller (z. B. Kino) – Dienstleistung, Verweilen und zentrumsgerechten Wohnungsbau.

Die öffentliche Dienstleistung bleibt mit der bloß angedeuteten  Möglichkeit eines Bürgerservicecenter weit hinter den Erwartungen zurück. Seit jeher ist in bürgerschaftlich organisierten Städten das Rathaus der städtebaulich sichtbare Mittelpunkt. Gerade heutzutage, wo sich kommunale Verwaltung neben der notwendigen hoheitlichen Tätigkeit insbesondere als Service am Bürger versteht, ist eine solche Repräsentanz da, wo sich wegen des Bahnhofs und der Hauptstraße als Zentrum guter Fachgeschäfte die meisten Menschen bewegen, wichtiger denn je.  Daneben wäre eine öffentliche Bibliothek, die nicht nur ein Ort der papiernen und digitalen Wissensvermittlung  und Entspannung, sondern auch als Forum des Begegnung und Präsentation von Medien und Autoren sein soll, mitten in Olching ein Highlight und Frequenzbringer.

Um den Bahnhof und  ein Rathaus herum, wobei dieses sogar in solche Nutzungen einbezogen werden kann, muss Einkaufen und Dienstleistungsgewerbe gruppiert werden, das sich als Ergänzung und Magnet für die Hauptstraße erweisen muss, und den Convenience Bereich abdeckt.

Schließlich ist die Paulusgrube für bezahlbaren,  behinderten- und  seniorenregerechten Wohnraum ideal. Seniorengerechtes Wohnen auch für kleine und mittlere Einkommen in Eigentums- und/oder Mietwohnungen bedeutet selbstbestimmtes Leben im Alter, die Zusammenführung von Familien, die jetzt teils weit voneinander getrennt leben, vor allem aber einen Strukturwandel in der Belegung von Einfamilienhäusern, die inzwischen in hoher Zahl (s. Bürgerbefragung von Älter werden in Olching von 2013) in Olching von nur einem oder zwei Senioren bewohnt werden. Ein Umzug in eine Wohnung macht diese Häuser für junge Familien frei. Es muss also nicht in die Fläche gebaut, sondern die vorhandenen Ressourcen geschickt genutzt werden. Die Paulusgrube ist insoweit ein besonders geeigneter Standort, da mitten in Olching gelegen und bestens an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Dabei muss darauf  geachtet werden, dass nicht ein Investor wabenmäßige Wohnungen baut, sondern großzügige 2 bis 4-Zimmer-Wohnungen angeboten werden, die ein adäquater Ersatz für Häuser sind, sowie die Möglichkeit von Gemeinschaftsräumen zum geselligen Zusammenleben, aber auch zur Kreativität wie einem Handwerksraum besteht.

Wir haben erhebliche Zweifel, dass diese städtebaulichen Ziele über einen umfassenden vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der insgesamt von einem Investor umgesetzt werden soll, realisiert werden können. Die angesprochenen verschiedenen Nutzungen sollen sich zwar ergänzen, ja befruchten, stehen aber auch in einem Spannungsverhältnis, das – nicht ausschließbar – von einem Investor je nach seinem subjektiven Bedarf einseitig abgeschliffen wird. Denn Investoren denken in erster Linie in Ertrags- und steuerlichen Kategorien. Die Stadt muss aber ihre Mitte nachhaltig für Generationen entwickeln, und deshalb die Hand auf der Gestaltung und Entwicklung behalten.

Fraglich erscheint uns auch, jetzt aufs Gas zu drücken und nicht den Ankauf des gesamten Areals (bis auf das Bahnhofsgebäude selbst) von der Bahn abzuwarten, um eine Planung aus einem Guss zu bewerkstelligen.

Nach wie vor fehlt der sachverständige Nachweis, dass das Konzept verkehrlich einschließlich eines verbesserten ÖPNV funktioniert.

Schließlich vermissen wir eine überzeugende Anknüpfung an die Hauptstraße, wozu zumindest konzeptionelle Vorstellungen für den Umbau der Hauptstraße zu mehr Aufenthaltsqualität und gleichberechtigen Verkehr gehören, um zu vermeiden, dass die Paulusgrube nicht doch ein städtebaulicher Solitär bleibt, der die Erwartungen einer Vitalisierung der Stadtmitte enttäuscht und letztlich nach Ablauf der steuerlichen Effekte für den Investor zur einer städtischen Brache verkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Gerlinde Zachmann

  1. Vorsitzende
    Älter werden in Olching

 

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