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Auch „natürliche“ Nahrungsergänzungsmittel können Risiken für die Gesundheit bergen.
Nahrungsergänzungsmittel sind beliebt – doch längst nicht jedes Präparat ist sinnvoll. AOK-Ernährungsexpertin Maria Stempfhuber erklärt, worauf man achten sollte.
Vitamine für mehr Energie, Mineralstoffe für starke Knochen, Pflanzenextrakte für besseren Schlaf: Gerade in sozialen Medien begegnen uns täglich Produkte, die schnelle und große gesundheitliche Effekte versprechen. Doch was braucht der Körper tatsächlich?
„Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, braucht in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel“, sagt Maria Stempfhuber, Ernährungsexpertin der AOK im Landkreis Fürstenfeldbruck. Entscheidend sei vielmehr, ob tatsächlich ein Nährstoffmangel oder ein erhöhter Bedarf vorliegt. „Eine Supplementierung sollte deshalb gezielt erfolgen – und immer in der richtigen Dosierung.“
Für bestimmte Personengruppen können Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sein. Frauen mit Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft wird beispielsweise Folsäure empfohlen, um Neuralrohrdefekten beim Kind vorzubeugen. Menschen, die sich über längere Zeit vegan ernähren, sollten Vitamin B12 supplementieren. Bei älteren Menschen kann nach ärztlicher Rücksprache Vitamin D sinnvoll sein, insbesondere wenn sie sich wenig im Freien aufhalten.
Vorsicht ist dagegen bei vollmundigen Werbeversprechen angebracht. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel und keine Arzneimittel. Sie dürfen daher nicht damit beworben werden, Krankheiten zu behandeln oder zu verhindern. Auch in sozialen Medien ist Aufmerksamkeit gefragt: Influencer berichten häufig über persönliche Erfahrungen mit Präparaten. „Solche Erfahrungsberichte wirken authentisch, können aber gleichzeitig Werbung sein. Gesundheitliche Versprechen sind dabei nicht automatisch wissenschaftlich belegt oder rechtlich zulässig“, so Stempfhuber.
Eine zu hohe Dosierung bestimmter Nährstoffe kann gesundheitliche Probleme verursachen. Zudem können Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb vor der Einnahme zusätzlicher Präparate ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen. Besondere Vorsicht gilt auch bei Produkten, die im Ausland über das Internet bestellt werden.
Auch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“. Selbst pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel können Risiken bergen. Hoch dosiert und langfristig eingenommen können Grüntee-Extrakt, Kurkuma oder Traubensilberkerze beispielsweise die Leber belasten. Auch bei Ashwagandha sind die gesundheitlichen Risiken bislang nicht ausreichend untersucht.
Stempfhuber rät deshalb zu einem kritischen Blick auf Werbung und vermeintliche Wundermittel: „Eine Kapsel kann eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Bevor man zu einem Präparat greift, sollte man sich fragen: Brauche ich es wirklich – und ist der Nutzen größer als das mögliche Risiko?“
Weitere Infos:
www.aok.de>Gesundheitsmagazin>Suche: Doc Esser: Warum wir meist keine Nahrungsergänzungsmittel brauchen














