Alfred Münch: Leserstellungnahme zur Olchinger Corona-Demo

Es mag sich in Olching kein Rechtsradikaler zum Missbrauch der Anti-Corona-Demo gefunden haben. Das ist erfreulich, erspart aber nicht die Frage, gegen oder für was wird da demonstriert?

Das Virus kann ja wohl niemand leugnen. Wer die Bilder aus Bergamo, Brasilien oder New York nicht akzeptiert, dem schlage ich vor, sich mal auf einer Intensivstation einer Klinik umzusehen. Ich biete auch gerne an, einen Erfahrungsaustausch mit einem täglich dort arbeitenden Arzt zu organisieren, der die Welt ob der Demos nicht mehr versteht. Es ist nur fürchterlich, was er in seinem Ringen um das Leben seiner Patienten erleben muss.

Jedermann/frau hat in unserem Staat das Recht, sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen, bis zum Suizid. Niemandem aber steht das Recht zu, andere durch sein Handeln in Gefahr zu bringen. Genau dies aber geschieht, wenn sich die Demonstranten gegen die geringen Zumutungen wenden, die mit den derzeitigen Lockerungen verbunden sind, z.B. den Mundschutz oder den Mindestabstand. Wer z.B. um seinen Job bangt, der sollte aus meiner Sicht nicht gegen das Virus anargumentieren, sondern für ein Recht auf eine soziale Abfederung demonstrieren. Das Virus erhört ihn sicher nicht. Es ist auch nicht weg zu argumentieren.  Gleiches gilt für die Überbelastungen aus familiären Gründen usw.

Am Anfang der Pandemie standen bei uns nur wenige Infizierte an wenigen Orten. Genauso in den USA. Aus denen wurden in den USA binnen ca. 2 Monaten 1,5 Millionen an vielen Orten. Bei uns wurden aus drei bis vier Orten und einigen Dutzend Infizierter binnen ca. 2 Monaten etwa 180tsd. Wie sehen die Daten wohl aus, wenn ein neuerlicher Ausbruch käme. Ein einfacher Dreisatz lässt das ahnen, denn das Virus wird sich dann neuerlich exponentiell ausbreiten, nur an x-fach mehr Orten.

Die Sterberate bei uns ist deutlich geringer als in vielen anderen Ländern, sofern die Infiziertenzahlen stimmen. Nur in Russland scheinen die Menschen immun gegen das Virus, sofern man deren Sterberaten glauben will. Doch kein Wodka macht diese plausibel. Wenn durch Unvorsichtigkeit eine neuerliche Infektionswelle käme, dann dürfte unser Gesundheitssystem kollabieren und die Sterberate völlig entgleisen. Wer will das?

Allen Verschwörungsgläubigen schlage ich vor, dass sie die angeblich nicht vorhandenen Viren freimütig konsumieren, sich bei Auftreten von Beschwerden nur von den Ärzten behandeln lassen, auf die sie sich berufen, und per Patientenverfügung auf jede Behandlung verzichten, die im Falle schwerer Komplikationen notwendig werden könnte, z.B. eine Beatmung.  Einzige Einschränkung ihrer Freiheit: Sie dürfen bei diesem Abenteuer niemanden infizieren, müssten also nach einer evtl. doch zu befürchtenden Selbstinfektion, z.B. durch Lutschen an einem Wattebausch eines frischen Abstrichs, sofort für 6-7 Tage in Quarantäne.  Falls sie dagegen verstoßen, fände ich eine Verurteilung wg. mindestens grob fahrlässiger Tötung angemessen.  Bei Trump oder Bolsonaro sollten sie sich dann noch Empfehlungen holen, was so alles hilft und was eine sinnvolle Behandlung sein könnte.

Den Initiatoren*innen der Olchinger Demo rate ich, über den Irrsinn nochmals dringend nachzudenken, der angesichts des Leids auf dem Globus von solchen Demos ausgeht. Ich halte diese für demokratisch zwar zulässig, aber für völlig unakzeptabel.

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5 Antworten zu Alfred Münch: Leserstellungnahme zur Olchinger Corona-Demo

  1. Rolf Marhenke sagt:

    Habe mir das Interview der „Fee“ Dürr, vom 22.05.20, mit der Süddeutschen Zeitung durchgelesen.
    Grundsätzlich bin ich immer bereit, mit völlig Andersdenkenden zu diskutieren.
    Aber in diesem Fall würde ich meine Zeit dafür nicht opfern.
    Da werden Fakten geleugnet, unmögliche Theorien aufgestellt und für mich kaum vorstellbare Erklärungen zu vorliegenden Argumenten abgegeben.
    Wie man sich so zur Pandemie, den damit verbundenen Einschränkungen, die mittlerweile immer mehr aufgehoben werden, äußern kann, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Schweden hat gezeigt, wie man es nicht machen sollte und auch die hatten noch, wenn auch geringere Einschränkungen. Unsere 8.500 Todesfälle hätten sich vermutl. auf ca. 35.000 erhöht, wenn wir diesem „Irrweg“ gefolgt wären. Ich möchte mir nicht mit ca. 25.000 Todesfällen die gewohnten Freiheiten erkaufen.

  2. Walter Sommer sagt:

    Hut ab Herr Münch für diesen Artikel dem ich nur zustimmen kann. Ich kann diesen Teil der Menschen auch nicht verstehen

  3. Heide Kuckelkorn sagt:

    Danke sehr, Herr Münch! – Dem kann ich nur anfügen, dass die Furcht vor einem Impfzwang bislang völlig unbegründet ist. Man wäre froh, wenn es einen Impfstoff gäbe. Und auch Bill Gates hat hier nicht die Finger im Spiel, wie von den Initiatorinnen der Demo befürchtet. – Fraglich, ob die Veranstalterinnen der Demo so ganz frei von Verschwörungsideologien sind. Ein Blick in die Veröffentlichungen der Gruppe der Amperfeen auf Telegram gibt hier Erhellendes.

  4. Dr. Tomas Bauer sagt:

    Bravo Herr Münch!

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