Kommentar: „Antrag auf Baumschutzverordnung in der Stadt Olching“

Endlich ein Trost für die geschundene grüne Seele. Denn die muss derzeit eine gestern noch abgelehnte Stärkung der Bundeswehr, gestern noch verteufelte Waffenlieferungen und vielleicht sogar eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ertragen. Wie Balsam wirkt es da, dass die Olchinger Grünen die Baumschutzverordnung aus der vertrauten ideologischen Mottenkiste holen können. Und wenn, dann gleich richtig: Mit Bußgeldkatalog für verstockte Bürger und mit obrigkeitsstaatlichen Belehrungen über den Wert von Bäumen. Halten die Grünen die Olchinger Bürger wirklich für so blöd, dass sie solche städtische Nachhilfe und amtliche Bevormundung brauchen? Droht in Olching hektarweise Kahlschlag oder fällt der letzte Kirschbaum der Kettensäge zum Opfer?

Gartenstadt ist, wenn die Bäume höher wachsen als die Dächer. Olching ist in weiten Teilen Gartenstadt. Weil sich alle Bürger über den Wert von Bäumen für das Stadtbild, für das Mikroklima, für die CO²-Bindung, für die Kleintier-Welt und als wichtiger Wohlfühlfaktor für Menschen einig sind. Deshalb hegen und pflegen die Olchinger die Bäume auf ihren Grundstücken. Auf öffentlichen Grundstücken werden ohnehin Bäume gepflanzt und in den Amperauen in ihrem natürlichen Wachsen und Vergehen geschützt. Wo die Stadt neue Baugebiete ausweist, setzt sie Bäume fest. Bürger und Politik gehen hier in Olching n Hand in Hand. Dazu braucht es keine Gängelung der Bürger durch eine Baumschutzverordnung!

Es gibt immer Fälle, wo Bäume gefällt werden. Weil sie erkrankt sind oder im Einzelfall übermäßig stören. Die dann notwendige Abwägung treffen die Olchinger selbst und höchst verantwortungsvoll. Wenn meine Kinder oder mein Haus von einem Sturm-gebeutelten Baum aus meinem Garten bedroht sind, muss ich dann die Stadtverwaltung um Erlaubnis bitten, um mich zu schützen?

Die Beispiele in München schrecken. Wird dort ein einziger Baum gefällt, wird ein bürokratischer Apparat in Bewegung gesetzt, der teuer ist, für Verwaltung und Bürger aufwendig und in der Regel so endet, wie der Bürger ohnehin gehandelt hätte. Ein übermäßig störender Baum wird gefällt, eine Ersatzpflanzung durchgeführt.

Jede Baumschutzverordnung schützt Bäume erst ab einer bestimmten Mindestgröße. Wer sich heute an einem kleineren Baum freut, aber befürchtet, in 30 Jahren durch einen dann zu großen Baum verschattet zu werden, sieht sich dann, wenn eine Baumschutzverordnung droht, veranlasst, höchst vorsorglich einen Baum zu fällen, der andernfalls noch viele Jahrzehnte wachsen würde.

Um dem Ganzen die (Baum-) Krone aufzusetzen, wollen die Grünen die Stadtverwaltung durch eine Baumschutzverordnung auch noch beauftragen, behördlicherseits die Qualität der privaten(!) Baumpflege sicherzustellen. Was soll das heißen? Ein städtischer Baumpflege-Qualtäts-Kontrolleur? Mit Betretungsrecht für die privaten Gärten? Mit Bußgeld für die Bürger, die die städtischen Qualitätsnormen nicht erfüllen? Ist das bloße bürokratische Bevormundung oder ein Schritt in Richtung Ökodiktatur?

In der Debatte über die Kita-Gebühren haben Grüne gefordert, die Verwaltungs-Kosten und die finanziellen Belastungen der der Bürger zu senken. Jetzt provozieren sie genau das Gegenteil. Denn die von Ihnen geforderte zusätzliche Bürokratie kostet Geld, viel Geld. Ob ein Baum gefällt werden darf, hängt oft von einem teuren Gutachten ab. Das werden die Bürger ebenso zahlen sowie die Gebühren für das in jedem Fall notwendige Verwaltungsverfahren. Den nicht gedeckten Rest trägt mal wieder der Steuerzahler!

Wo werden in Olching Bäume gestutzt oder gefällt, die nicht hätten gefällt werden dürfen? Welchen Missstand gibt es, dem eine Baumschutzverordnung steuern könnte? Es gibt also keinen Grund für mehr Bürokratie, für zusätzliche Einschränkungen und für neue Gesetze. Wo man kein Gesetz braucht, darf man auch kein Gesetz machen. So geht Wirtschaftlichkeit richtig! Noch wichtiger: So geht Freiheit!

Dr. Tomas Bauer,

Stadtrat und CSU-Fraktionsvorsitzender

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Marina Freudenstein sagt:

Sehr geerhter Herr Kollege,
geht es auch weniger polemisch? Dieser Rundumschlag ist doch unter Ihrem Niveau – oder sollte ich mich irren??? Und vernünftig über einen Antrag erst einmal nachdenken kann auch nicht schaden…
Marina Freudenstein
Stadträtin B 90 / Die Grünen

 

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3 Antworten zu Kommentar: „Antrag auf Baumschutzverordnung in der Stadt Olching“

  1. Elisabeth Huber sagt:

    Worum geht es bei einer Baumschutzverordnung eigentlich? Mittlerweile sollte jeder Bürger verstanden haben, dass Bäume nicht nur eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, da sie ja umfallen könnten oder wie in einem Zeitungsausschnitt geschrieben Allergien auslösen könnten. Bäume sind lebenswichtig für die Menschheit. Außerdem spenden sie angenehmen Schatten…. Olching als Gartenstadt zu bezeichnen ist schon sehr befremdlich. Das ist vielleicht noch nachzuvollziehen, wenn man noch keine anderen Städte gesehen oder erlebt hat, in denen der Schutz der Bäume wirklich ernst genommen wird. Hier ist es doch so, dass in vielen alten Grundstücken die Häuser abgerissen und die Gärten (incl. altem Baumbestand) vernichtet werden, damit neue, größere Häuser oder Wohnkomplexe entstehen können.
    Auch finde ich es unerträglich, dass immer nur auf den einzelnen Parteien herumgehackt wird, anstatt sich mit der Sache an sich auseinander zu setzen. Was hat die Baumschutzverordnung in Olching mit dem Krieg zu tun? Es ist bestimmt nicht so, dass sich nur „die Grünen“ für den Erhalt der Natur einsetzen möchten, sondern alle Menschen, denen parteiunabhängig etwas an einer lebenswerten Zukunft liegt.

  2. Elmar Schürmann sagt:

    Es ist eine Katastrophe wie in Olching mit der Natur und speziell mit Bäumen umgegangen wird. !!!!! Das Grundstück war ein Idyll, das Haus von meiner Tante. Erst hieß es drei Bäume werden erhalten…Jetzt sind sie verschwunden. Auch ich/wir könne ein Lied davon singen wie „verantwortungsvoll“ Olchinger Bürger mit der Natur umgehen. (neu eingeräumtes Selbsthilferecht BGH-Urteil vom letzten Jahr). Die nächsten 3 Bäume die dran glauben müssen, sind die Kastanien auf dem Grundstück des ehemaligen Aleco. Es ist unglaublich, wieviel große Bäume (Pappeln, Kiefern, Walnuss), allein in meiner Umgebung in den letzten Jahren den verschiedensten Baumaßnahmen zum Opfer gefallen sind…Das Grundstück bekommt, dann, wenn man Glück hat, noch ein in Kies gebettetes „Anstands-Bäumchen“ in einer Rundum-Versiegelung. Einfach nur grauenvoll.

  3. Ingrid Jaschke sagt:

    Da hat mal wieder einer eine Salve heiße Luft gegen uns GRÜNE abgefeuert: alleine die Verknüpfung der – im Zusammenhang mit dem durch nichts zu rechtfertigenden Angriffskrieg Putins auf die Ukraine – auch von GRÜNEN Minister*innen und Abgeordneten mitgetragenen Maßnahmen zur Stärkung der Bundeswehr und unserem Antrag ist geschmacklos, ja widerlich. Glaubt dieser Stadtratskollege wirklich, dass sich der Schmerz über das Leid dieses – und jeden anderen – Kriegs mit einer Baumschutzverordnung aufwiegen lässt? Was für ein kranker Gedanke. Ganz abgesehen davon, dass eine CDU-geführte Bundesregierung nach 16-jähriger Regierungszeit offensichtlich eine abgewrackte Truppe hinterließ, in deren Reihen sich auch noch rechtsradikale Gesinnung zunehmend breit machen konnte.

    Wie in unserem Antrag ausgeführt, sind der Schutz von Natur nahen Lebensräumen und der Bestand an Bäumen sowohl in der Bayerischen Verfassung als auch im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert. Viele Kommunen haben erkannt, dass eine Baumschutzverordnung gepaart mit fachgerechter Information über den unersetzlichen Nutzen ausgewachsener Bäume und Erhaltungsmaßnahmen diese Schutzbestrebungen unterstützt. Wie beispielsweise auch Verkehrsregeln richtet sich diese nicht gegen die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich Vernunft begabt verantwortlich verhalten, sondern setzt unverhältnismäßigem Handeln Grenzen.

    Besonders gefährdet sind Bäume im Zuge von Baumaßnahmen. Erst jüngst wurden auf einem eingewachsenen Gartengrundstück bis auf 3 für den Erhalt festgesetzte Bäume gerodet – bis schließlich vor wenigen Tagen auch diese zu erhaltenden Bäume gefällt wurden. Alleine um diese 3 Bäume hinsichtlich ihres ökologischen Nutzens adäquat zu ersetzten müssten etwa 500 Bäume neu gepflanzt werden!

    Steuern verschlingendes Bürokratiemonster, bürokratische Bevormundung, Ökodiktatur…der Kollege greift nach jedem abgedroschenen Klischee um Stimmung gegen uns GRÜNE zu machen. Kranke Bäume, Einsturz und Bruch drohen Leben sowie Hab und Gut unserer Bürger*innen zu gefährden. Die Phantasterei kennt keine Grenzen und gipfelt in der Unterstellung, wir wollten mit unserem Antrag die private Baumpflege kontrollieren: dazu wird Kappung mit Baumpflege gleichgesetzt – wen juckt’s?

    Wohlfeile Worte und kitschige Bilder a la Baum umarmendem Söder bringen den Klimaschutz nicht voran. Wer Frieden will sät keine Zwietracht.

    Dr. Ingrid Jaschke – Fraktionsvorsitzende B 90/DIE GRÜNEN

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