Fernwärme-Preise: Rabatt für Olchinger?

 

 

Die Frage:

 Gedenkt der Stadtrat etwas zu unternehmen, damit die höheren Gaspreise nicht voll auf den Fernwärmepreis durchschlagen? Immerhin macht der Gaspreisindex 70% des Fernwärmepreises aus, obwohl die Fernwärme zu 99.3% aus Müll erzeugt wird.

Die Antwort:

  1. Die Benzin- und Diesel-Preise steigen, der Strom wird teurer, die Gaspreise explodieren und der Fernwärme-Preis folgt, gedämpft und verzögert, zu ca. 70% den Gaspreisen. Hinzu kommt künftig noch die von der Bundesregierung beschlossene Gas-Umlage. Warum aber steigen die Fernwärme-Preise, obwohl der Müll nicht knapp und die Müllverbrennung nicht teurer geworden sind?
  2. Die erste Antwort ist: Die Fernwärmepreise steigen, weil die Kunden mit den Stadtwerken Olching eine entsprechende Preis-Index-Klausel vereinbart haben. Die vertragliche Bindung an einen Index, den die Fernwärme-Versorger (hier die Stadtwerke) nicht beeinflussen können, ist richtig und notwendig. Andernfalls wäre der Fernwärme-Kunde, der – anders als der Strom- oder Gas-Bezieher – den Anbieter nicht wechseln kann, der Willkür seines Versorgers ausgesetzt. Die Index-Bindung speziell an den Gaspreis ist auch sachgerecht. Mehr als die Hälfte aller deutschen Haushalte heizen mit Gas.

Diese Grundsätze befriedigen zwar den Juristen, aber vielleicht nicht die Fernwärme-Kunden.

 

  1. Deshalb die örtlichen Fakten: Die Stadtwerke beziehen ihre Fernwärme von der Müllverbrennungsanlage der GfA. Diese ist eine gemeinsame Einrichtung der Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau. Die GfA „gehört“ somit allen Einwohnern beider Landkreise, die die Verbrennungsanlage mit ihren Müll-Gebühren bezahlt haben. Wirtschaftliche Erträge der GfA kommen deshalb den „Eigentümern“, also den Einwohnern beider Landkreise direkt als niedrigere Müllgebühren zugute.
  2. Der Großhandels-Preis, den die Stadtwerke Olching für die Fernwärme der GfA zahlen, folgt in ähnlicher Weise wie der Endkunden-Preis dem Gaspreis-Index. Die Stadtwerke zahlen also ebenfalls deutlich mehr. Sie müssen die gestiegenen Einkaufspreise für die Fernwärme, ebenso wie die höheren Preise für Gas und Strom, an ihre Endkunden weitergeben, im Rahmen der jeweiligen Verträge.

 

Rücklagen, um die Olchinger (Fernwärme-)Kunden von den allgemeinen Energiekosten-Steigerungen auszunehmen, haben die Stadtwerke nicht. Selbst wenn, der andere Gesellschafter der Stadtwerke, Schwäbisch Hall, könnte da nicht mitmachen. Denn Schwäbisch Hall darf seine Kunden nicht für die Olchinger benachteiligen. Ebenso wenig dürfen die Olchinger, deren Steuergelder in den Stadtwerken stecken, wegen der Fernwärmekunden zusätzlich belastet werden.

 

  1. Kann nicht die GfA auf die Preiserhöhungen verzichten, weil doch ihre Kosten nicht steigen? Nein! Ein solcher Verzicht auf vertragliche Ansprüche wäre Untreue zulasten des Unternehmens, bzw. der beiden Landkreise.
  2. Warum setzen sich aber die Olchinger Kreisräte nicht dafür ein, dass die Landkreise der GfA gestatten, auf die höheren Einnahmen zu verzichten? Weil das nicht gerecht wäre! Ein Verzicht der GFA auf die vertraglichen Mehr-Einnahmen käme den Olchinger Fernwärme-Kunden zugute. Diese Subvention müssten aber nicht nur alle anderen Olchinger, sondern auch alle Fürstenfeldbrucker und Dachauer mit höheren Müllgebühren bezahlen. Obwohl sie in gleicher Weise unter den steigenden Energiepreisen leiden.

Also: Lasten, die wir nicht vermeiden können, müssen gerecht verteilt werden!

 Maximilian Gigl                                                                  Dr. Tomas Bauer                                                                

Stadtrat in Olching, 2. Bürgermeister                                  Stadtrat in Olching,

Kreisrat, Mitglied des Verwaltungsrates                              Mitglied des Aufsichtsrates

der GfA                                                                                der Stadtwerke Olching

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9 Antworten zu Fernwärme-Preise: Rabatt für Olchinger?

  1. Alfred Münch sagt:

    Diese Rechtfertigung von Preiserhöhungen für die GfA-Fernwärme ist ein wirklich wilder Ritt der beiden CSU-Granden durch lokale Energiepolitik. Völlig daneben!!!

    Fangen wir mit den Kosten an, deren Steigerungen üblicherweise mittels indexierter Preisgleitklauseln vertraglich für die Produzenten weitergebbar gemacht werden.
    Die GfA hat sicher aus den allgemeinen Energiekostensteigerungen auch Mehrkosten zu tragen, denn sie muss partiell zufeuern, wenn der Müll nicht ausreichend eigenen Brennwert hat. Das hält sich aber in Grenzen und ist kalkulatorisch berechen- sowie begründbar.
    Dass solche Preissteigerungen weitergegeben werden dürften, wird kaum jemand bestreiten.

    Zweitens die Gerechtigkeit gegenüber den Gebühren zahlenden Müllbürgern:
    Die muss gewahrt bleiben für beide Landkreise.
    Da jedoch die Auskopplung und der Transport der Fernwärme ein eigenkalkuliertes Mehrwertgeschäft jenseits der Kosten der Müllverbrennung ist, entsteht dem Müllbürger erst dann ein Nachteil, wenn die Kosten dieser Komponenten der Wärmelieferung nicht durch die Erlöse gedeckt wären.
    Das ist jedoch nicht der Fall, sondern die Müllgebühren wurden stets von den Erlösen der Fernwärme gesponsert.

    Wenn wir diese beiden Aspekte bewerten, dann wird erkennbar:
    Der Abgabepreis-Index der Fernwärme ist an die falschen Parameter gekoppelt.
    Das war sicher keine böse Absicht, sondern die urplötzliche Sondersituation der kriegsgetriebenen Preisanstiege aller Energiearten führte zu der Hebelwirkung bei GfA und SWO.

    Das sind nun geradezu klassische Wegelagerergewinne, denn weder die GfA noch die SWO oder auch die Wärmeversorger auf Dachauer Seite haben etwas investiert oder dazu getan, dass hier plötzlich die Erlöse jenseits der erwähnten Kostenfaktoren springen.

    Es würde sicher niemandem wirtschaftlich schaden, wenn die Eigentümer, hier die beiden Landkreise, auf diese himmlischen bzw. putinschen Geschenke verzichteten, neue, kostenorientierte und kriegsneutrale Indexvereinbarungen vereinbarten und damit den Vorteil der Fernwärme ggü. den fossilen Energien wieder zum Zuge kommen ließen.
    Alles andere ist politischer Quark, der den Betroffenen Sand in die Augen streuen soll.
    Warum auch immer, aber den Interessen der Ökologie wird hier durch Missbrauch der Ökonomie nicht gedient, sondern beides wird in Verruf gebracht.
    DAs kann und muss aus meiner Sicht korrigiert werden, ja es schreit geradezu danach, dass solche völlig leistungslosen Übergewinne verhindert werden.

    • Felix sagt:

      Für uns als prinzipiell interessierte, potentielle Abnehmer und Besitzer eines Vorsorgeanschlusses hat sich die Fernwärme mittelfristig durch diese Indexierung jedenfalls endgültig ins Abseits gestellt.

      Man darf auch nicht vergessen, dass der Grundpreis schon 2021 über 600 € betrug. Das entspricht fast dem Doppelten unserer Holzpellet-Kosten für die manuelle Beheizung von über 100 m2. Auch die Stromkosten für unsere Wärmepumpe, die den Rest des Hauses samt Warmwasser beheizt, waren mal auf dem Niveau ausschließlich dieses Grundpreises (vor der 100 % Preiserhöhung der Stadtwerke).

      Meiner Ansicht nach fördert die Preisgestaltung des Olchinger Fernwärmeangebots (sowie dessen Gewinnung) ein stetiges „Weiter-So“, statt einem echten Umdenken. Auch wenn sich der Grundpreis über die wegfallenden Anschaffungs- und Wartungskosten langfristig relativiert, fördert man so doch nur einen Mehrverbrauch, nach dem Motto: Die Grundgebühr im Vergleich zur konventionellen Heizung „lohnt“ sich erst, wenn man auch mindestens x MWh verbraucht. Über „Klimaneutralität“ brauchen wir beim Verbrennen von Müll (z.B. aus der Allianz Arena) glaub ich auch nicht diskutieren. Da setz ich lieber auf Holz und Ökostrom, das ist dann doch etwas weniger Augenwischerei…

      Wie bei uns vorerst nur einen Teil des Hauses (mangels Zentralheizung in den Obergeschossen) anzuschließen, verkommt so zu einer finanziellen Luftnummer, die bestenfalls einem Nullsummenspiel gleich kommt. Wer das nötige Kleingeld ohnehin zur Verfügung hat, dem rate ich, besser in PV-Anlage, Stromspeicher und Wärmepumpe zu investieren. Ein E-Auto lässt sich nämlich mit Warmwasser ohnehin nicht laden…

  2. Hans Pfleger sagt:

    Gerade lese ich, leider verspätet, der Antwort der Olchinger Grün*innen, vertreten durch Dr. Jaschke, zur Fernwärme Olching.
    Die Antwort ist typisch. Grün, nicht verantwortlich!?
    Verantwortung haben 1. das Gesetz der Bundesregierung!? An der haben die „Grünenden“ natürlich gar keinen Anteil??!
    Und 2. die Stadtwerke Olching, im Vertrag mit der GFA(Eigentümer FFB und DAH), da ist Olching natürlich auch nicht dabei???
    Das ist doch alles nur Wischiwaschigerede, um nichts tun zu müssen.
    Gerade die Grünen tun doch immer so sozial und ökologisch. Hier könnten sie sich aktiv einschalten und soziale Hilfe leisten, aber sie lenken wieder mal nur ab.

  3. Hans Pfleger sagt:

    Die Kopplung von Fernwärme und Gaspreis ist unsinnig und unsozial.
    Gerade in der Stadt Olching in der ein SPD Bürgermeister mit den Grünen den Ton angibt, sollte der soziale Aspekt und nicht die Gewinnmaximierung eine wesentliche Rolle spielen.
    Aber wenn man Kasse machen will, dann muss kräftig gemolken werden.
    Oder????

    • da scheint jemand nicht informiert zu sein: in Olching geben ein SPD-Bürgermeister gemeinsam mit der CSU den Ton an. Das ist schon daran zu erkennen, dass der 2. BGM aus den Reihen der CSU-Fraktion gestellt wird. An uns GRÜNEN sind sie nach der letzten Kommunalwahl nicht mehr vorbeigekommen weil wir unsere Mandate auf mehr als das Doppelte zur zweitgrößten Fraktion im Stadtrat vergrößert hatten.

      Zum Fernwärmepreis: Selbstverständlich wollen wir Grüne Stadträt*innen, dass sich die Preisentwicklung bei der Fernwärme in Grenzen hält. Dem sind aber vertragliche und gesetzliche Grenzen gesetzt. Die Fernwärme wird von den SWO angeboten – es kommt daher zunächst auf die Fernwärmelieferverträge zwischen SWO und GfA (Laufzeit) sowie auf das Verhandlungsgeschick seitens der SWO an.

      Grundsätzlich ist jedoch gesetzlich vorgegeben (§24 Abs.4 AVBFernwärmeV) , dass “ auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt angemessen (zu) berücksichtigen (sind). Demzufolge muss ein Vergleichswert beispielsweise für Gas, Öl oder Strom in der Preisformel zu einen angemessenen Anteil enthalten sein.

      Demzufolge ist hier vor allem der Bund gefragt, der wie jüngst mit der Deckelung des Gaspreises auch bei Fernwärme und Strom entsprechende Regelungen treffen muss. Das muss nicht zwingend ein Preisdeckel sein, der das Geld nach dem Gießkannenprinzip an alle nach dem Motto „wer viel verbraucht bekommt viel“ verteilt – egal ob aus finanzellien Gründen Unterstützungsbedarf besteht oder nicht.

  4. D. Geyer sagt:

    Die Erklärung, dass steigende Kosten der Müllentsorgung bzw. -verbrennung auf die Fernwärmepreise umgelegt werden müssen, ist plausibel und sachgerecht. Dass jedoch auf die zu erwartenden Mehreinnahmen aufgrund der unsachgerechten Gaspreiskoppelung der Fernwärme, die ja nur aufgrund vertraglicher Vereinbarungen existiert, nicht verzichtet werden kann, um die Müllgebühren nicht erhöhen zu müssen, ist ein völlig unverständlicher und unsinniger Zusammenhang!
    Die zu erwartenden Mehreinnahmen durch die Gaspreiskoppelung übersteigen doch die notwendigen Einnahmen zur Müllgebührendämpfung bei Weitem.
    Was soll also mit dem Teil der Mehreinnahmen (Übergewinnen!?) geschehen, die nicht zur Stabilisierung der Müllgebühren benötigt werden? Auf diese einfache Frage, sollten die Verantwortlichen einmal eingehen!

  5. Liesbeth sagt:

    Waren die Bürger mit Neubauprojekten nicht gezwungen Fernwärme zu beziehen?! Die Anschaffung der Fernwärme Technik im Privathaushalt lag übrigens bei ca 20k€.
    Also weit über einer Gastherme (vor knapp 10 Jahren). Da spricht niemand von Fairness.
    Auch die Geschäftskunden mussten weit weniger für die Anlage zahlen. Wieder nicht fair.
    Sollte die umweltfreundliche Alternative Fernwärme also eine dauerhafte Kostenfalle sein?! Ist es im Interesse der Stadt den zukünftigen Ausbau zu bremsen und die potentiellen Neukunden mit diesem Irrsinn abzuschrecken?!
    Wahnsinn.

    • Johannes Reinhardt sagt:

      U.a. dieser drohende Zwangsanschluss an die Geothermie-Fernwärme führte in Puchheim zum Bürgerbegehren und der Ablehnung der Geothermie, die ich ursprünglich eher positiv werte.
      Solche Zwangsmassnahmen zerstören funktionierende Marktstrukturen mit ihren Wettbewerb schaffenden Elementen und erzeugen ein Monopol, das nur zu leicht missbraucht werden kann.
      Ihre Angaben zu den Investitionskosten kann ich bestätigen. Erneuerung einer Gastherme 2022: ca 12.000 € .
      Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit hat: Solarthermie. Und verzichten Sie auf Restriktionen, die mit Förderung verbunden sind – lassen Sie den Fiskus so weit wie möglich draußen.

  6. Felix sagt:

    „Ein Verzicht der GFA auf die vertraglichen Mehr-Einnahmen käme den Olchinger Fernwärme-Kunden zugute. Diese Subvention müssten aber nicht nur alle anderen Olchinger, sondern auch alle Fürstenfeldbrucker und Dachauer mit höheren Müllgebühren bezahlen.“

    Achso, das geht natürlich nicht. Aber dass dann im Umkehrschluss die Fernwärmekunden der GfA und damit indirekt dem Landkreis FFB massive Übergewinne finanzieren, ist wiederum kein Problem? Oder wird damit etwa etwas an dem miserablen Angebot des AWB verbessert? Bio- oder gelbe Tonnen z.B.? Da muss ich ja fast selber lachen…

    Danke für den Beitrag, immer wenn mir diesen Winter kalt ist, brauch ich ihn nur zu lesen und mir wird wieder warm. Wirklich ein gelungenes Zukunftskonzept, was FFB und Olching da auf die Beine gestellt haben…

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