
Leserbrief:
Sommerinterview: Sommer, Sonne, Sonntagsreden
(Zum Sommer-Pressegespräch der Olchinger CSU im Kreisboten)
Sommerinterviews haben ihre ganz eigene Dramaturgie. Die Temperaturen steigen, die politische Auseinandersetzung soll etwas abkühlen.
Auch das Sommerinterview der Olchinger CSU im Kreisboten vermittelt dieses sommerliche Gefühl: Man hört viel über die großen Linien, die Zukunft, die Herausforderungen und darüber, was man selber besser macht.
Beim Busverkehr soll man sich „am Bedarf entlanghangeln“. Klingt vernünftig. Aber was heißt das konkret? Welche Linien? Welche Taktung? Welche Ortsteile? Was soll sich wann verbessern?
Beim Thema Infrastruktur bleibt man gerne groß. Infrastruktur ist wichtig, keine Frage – und gut, dass sich Bürgermeister und Stadtrat darum kümmern. Aber wie passen all die Teil-Pläne zusammen? Wo ist eigentlich das Gesamtkonzept für Olching? Der Masterplan – gibt es den?
Straßenbau hier, Hochwasserschutz dort, Überlegungen zum Busverkehr an anderer Stelle – und dazu ein Zugang zur Amper, damit man in heißen Zeiten mit dem Fuß ins Wasser kann. Alles für sich betrachtet wichtig und notwendig. Aber welches Bild von Olching ergibt sich daraus? Ein kühles Fußbad an heißen Tagen in der Amper hat durchaus seinen Reiz. Auch ein Bistro ist ganz nett. Aber Stadtentwicklung sollte doch etwas mehr sein als die Summe von Einzelideen. Das Problem ist, dass man als Bürgerin kaum erfährt, wie die Themen zusammengehören.
Vor allem: Wo bleibt der Mensch? Kein Wort vom Gemeinwesen. Vieles in dem Pressegespräch klingt auffallend technokratisch. Infrastruktur, Verkehr, Straßen, Projekte, Maßnahmen. Alles wichtig. Jedoch ist eine Stadt ist mehr als ihre Infrastruktur. Wo zeigt sich in all den Teilplänen eine Vorstellung davon, wie Olching als Gemeinwesen lebendiger werden soll?
Wo sollen sich Menschen treffen? Wo können Familien, Jugendliche und ältere Menschen zusammenkommen? Wie lässt sich die Innenstadt beleben? Was macht einen Ort attraktiv, auch wenn man dort gerade nichts einkaufen oder erledigen muss? Eine lebendige Innenstadt entsteht nicht allein durch Straßenbau und Verkehrskonzepte. Und wenn es um Orte für Begegnung geht, drängt sich fast zwangsläufig die Frage auf: Soll die Begegnung am Ende auf dem betonierten Kreisel stattfinden?
Manches in dem Pressegespräch klingt noch erstaunlich nach Wahlkampf.Spitzen gegen die anderen Parteien, während die eigene Politik im milden Licht der sommerlichen Allgemeinplätze erscheint. Dabei ist die Wahl vorbei. Jetzt wäre die Zeit für konkrete Ansagen: „Das sind unsere drei wichtigsten Ziele – so wollen wir sie erreichen – und warum.“ Darauf hätte man in einem Sommerinterview gerne Antworten. Und eine Frage zum Schluß: Wann wurden eigentlich zuletzt die Bedürfnisse und Bedarfe der Bürger erhoben?
Dr. Isolde Kurz














