Am 22. Juni 2026 beteiligt sich der Landkreis Fürstenfeldbruck am bundesweiten Aktionstag der kommunalen Spitzenverbände zum Thema „Kommunen am Limit“. Anlass ist die zunehmend angespannte Haushaltslage. Die Pflichtaufgaben aufgrund von Bundesgesetzen verursachen immer höhere Kosten, ohne dass auf der Einnahmeseite mehr Geld in die Landkreiskasse kommt. Dies geht immer mehr zulasten der Landkreisaufgaben, bei denen die Ausgaben variabel gestaltet werden können – wie etwa beim ÖPNV, bei den Straßen und Schulen oder die ganz freiwillig sind – wie etwa der Freizeitpark Mammendorf oder das Bauernhofmuseum Jexhof.
Der Landkreis möchte auf die Dringlichkeit einer Reform der kommunalen Finanzausstattung hinweisen. Landrat Thomas Karmasin erklärt: „Wir sind gezwungen, Aufgaben zu erfüllen, die wir nicht finanzieren können. 60 Prozent unserer Ausgaben sind durch Gesetze vom Bund vorgegeben, während die dafür vorgesehenen Zuweisungen längst nicht mehr ausreichen. Das Ergebnis ist fatal: Wir können das entstehende Defizit nicht durch Einsparungen bei unseren Kernaufgaben wie Schul- und Straßenbau oder bei den freiwilligen Leistungen ausgleichen, denn die fehlende Summe ist viel zu groß dafür. Wir können auch den Gemeinden keine beliebig hohe Kreisumlage zumuten. Dennoch werden wir zu Einsparungen und zur Erhöhung der Kreisumlage – zur Herstellung eines ausgewogenen Haushalts – gezwungen. Eine Aufgabenkritik und eine Reform der Finanzausstattung ist dringend notwendig. Es ist fünf vor zwölf.“
„Wir sind am Limit“ – Die Fakten
Der Landkreis Fürstenfeldbruck steht vor der schwierigen Aufgabe, einen ausgewogenen Haushalt zu wahren, während gleichzeitig die Ausgaben für gesetzlich vorgegebene Leistungen massiv steigen. Der Spielraum für eigene politische Entscheidungen schwindet zusehends.
Die finanzielle Entwicklung des Landkreises zeigt in den letzten Jahren eine deutliche Verschlechterung der Haushaltslage. Der Schuldenstand steigt seit 2019 kontinuierlich und ab 2023 exponentiell. Ebenso steigt die Belastung der Gemeinden im Landkreis durch die Kreisumlage.
Im Haushalt 2026 wurden insgesamt Einsparungen von über 10,6 Mio. Euro vorgenommen, um die Kreisumlage zu verringern.
Der Schuldenstand des Landkreises hat sich innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt.
Startwert 2016: 77.801.900 EUR
Aktueller Stand 2026: 157.048.917 EUR
Entwicklung: Der Schuldenstand ist um ca. 102 % gestiegen.
Parallel dazu steigen die Umlagesätze, die die Gemeinden an den Landkreis abführen müssen.
Zur Kreisumlage: Der Satz ist von 49,90 % (2016) auf 54,86 % (2026) gestiegen. Der ungedeckte Bedarf hat sich von ca. 110,7 Mio. EUR (2016) auf 200,1 Mio. EUR (2026) fast verdoppelt.
Zur Bezirksumlage, die der Landkreis an den Bezirk zahlt: Der Satz ist von 19,50 % (2016–2019) auf 24,68 % (2026) angestiegen. Der Planansatz hat sich von 43,2 Mio. EUR auf 90,0 Mio. EUR fast verdoppelt.
Zur Krankenhausumlage: Auch hier ist nach einem Rückgang bis 2019 seit 2020 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen, von 3,7 Mio. EUR (2016) auf 6,2 Mio. EUR (2026).
„Investitionen auf Pump“
Obendrein kommen viele Gebäude, insb. Schulgebäude, die um die 50 Jahre alt sind, in ein „kritisches Alter“. Die Investitionstätigkeit des Landkreises musste sich in den letzten Jahren drastisch steigern, insbesondere im Schulbereich.
- Gesamtinvestitionen: Von 12.635.847 EUR (2016) auf 29.617.425 EUR (2026) gestiegen (+134,4 %).
- Schulinvestitionen: Diese sind der Haupttreiber. Von 10.372.206 EUR (2016) auf 21.237.214 EUR (2026) gestiegen. Im Jahr 2024 machten Schulinvestitionen ca. 72 % der gesamten Investitionssumme aus.
- Straßenbau: Im Gegensatz dazu stagniert oder sinkt die Investitionstätigkeit im Straßenbau (von 1.205.336 EUR 2016 auf 979.835 EUR 2026 geplant).
Kritisch ist die Finanzierungslücke: Im Jahr 2024 wurden 27.120.570 EUR investiert, während die Einzahlungen aus Investitionstätigkeit nur 11.126.535 EUR betrugen. Dieser Fehlbetrag von fast 16 Mio. EUR muss durch Kreditaufnahme finanziert werden.
Die aktuelle Ausgabenstruktur: Pflichtaufgaben dominieren
Die aktuelle Haushaltsstruktur zeigt deutlich, dass der Großteil der Ausgaben nicht vom Landkreis selbst bestimmt wird, sondern durch übergeordnete Gesetze diktiert wird. (siehe Grafik)
Zusammen genommen machen diese vorgegebenen Bereiche einen Großteil des Haushaltes aus. Lediglich 9 % des Haushaltes (Ansatz 2026) können für freiwillige Leistungen verwendet werden, die den Lebensraum attraktiver machen. In diesem Bereich sind bereits erste Einschnitte notwendig geworden.
Das Problem liegt nicht bei den freiwilligen Leistungen, sondern bei den finanziell nicht gedeckten Pflichtaufgaben sowie der aus der Gesamtsituation resultierenden Schuldenlast.
Der Landkreis Fürstenfeldbruck ist eine Art „Sozialverband“ mit Verwaltungsaufgaben. Zusammen genommen machen die Bereiche Jugendhilfe, Jobcenter, Amt für Soziales und Asylwesen bereits rund 61 % aller Sachkosten (ordentliche Aufwendungen 2025) aus.
(In Zahlen: Jugendhilfe: 28.016.029,77 €, Jobcenter: 28.798.090,43 €, Amt für Soziales: 20.051.892,13 €, Asylwesen 6.724.228,17 €)
Diese 61 % sind fast vollständig durch Bundesgesetze vorgegeben. Der Landkreis hat keinen Einfluss darauf, wie viel Geld hier ausgegeben wird. Die Kosten steigen, aber die Zuweisungen aus Berlin bleiben hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Nur 38 % werden durch Kostenerstattungen und Zuwendungen in den Bereichen Jugendhilfe, Jobcenter, Amt für Soziales und Asylwesen gedeckt.
Konkrete Betroffenheit: Absperrbänder statt Investitionen
Die Folgen der knappen Kassen werden bereits sichtbar. Um die Pflichtaufgaben sicherstellen zu können, musste der Landkreis in einigen Bereichen freiwillige Angebote kürzen oder zurückstellen. Bildlich gesprochen bedeutet das: Wenn es so weitergeht, werden wir dort Absperrbänder aufhängen müssen, wo wir eigentlich investieren wollen.
Forderungen an Bund und Land:
Der Landkreis fordert eine deutliche Entlastung. Die Finanzierung der Sozialleistungen und der Jugendhilfe muss durch den Bund gesichert werden, anstatt sie auf die kommunalen Schultern abzuwälzen. Auch die Landesregierung wird aufgefordert, die Finanzierung von Schulbau und Unterhalt zu überprüfen.
Ohne eine grundlegende Aufgabenkritik, eine Reform der Finanzausstattung und eine Stärkung der Eigenverantwortung der Kommunen werden wir in Zukunft noch weniger Spielraum haben, um die Lebensqualität in unserem Landkreis zu erhalten. Die Grafik zeigt, dass etwa die freiwilligen Ausgaben für das Freibad Mammendorf und das Bauernhofmuseum Jexhof kaum ins Gewicht fallen. Sie sind aber politisch und gesellschaftlich extrem wichtig. Da der Landkreis an anderem kaum sparen kann, wären es – wenn sich die Situation nicht bessert – genau solche Ausgaben, die gekürzt oder gestrichen werden müssten – das hieße dann: Absperrbänder am Jexhof und im Freibad Mammendorf.
Weitere Informationen zum Thema sind in der Pressemitteilung des Deutschen Landkreistags und auf der Homepage des Bayerischen Landkreistags zu finden.t
Quelle und ständig aktuelle News unter https://www.lra-ffb.de/aktuelles/aktuelles/kommunaler-aktionstag-kommunen-am-limit-haushaltssituation-im-landkreis-fuerstenfeldbruck
















