Gestärkte Pflege rettet Leben und hält die Gesellschaft zusammen

Christine Vogler
Präsidentin Deutscher Pflegerat e.V.
Quelle: X21de-Reiner Freese

 

DPR zum Internationalen Tag der Pflegenden: Pflege ist ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit und muss endlich mit voller Kompetenz wirksam werden können

Der Deutsche Pflegerat fordert zum Internationalen Tag der Pflegenden 2026 (12. Mai 2026) eine grundlegende Stärkung der beruflichen Pflege in Deutschland. Das diesjährige Motto des International Council of Nurses (ICN) lautet: „Our Nurses. Our Future. Empowered Nurses Save Lives.“ Für den Deutschen Pflegerat ist diese Botschaft aktueller denn je: Unsere Pflegefachpersonen sind unsere Zukunft. Gestärkte Pflegefachperson retten Leben, stabilisieren Versorgung, schützen Teilhabe und sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen und sozial gerechten Gesellschaft.

„Pflege ist weit mehr als Hilfe in einer schwierigen Lebenslage. Pflege bewahrt die Würde, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe der Menschen. Sie ist ein tragender Teil unseres Sozialstaats“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Wer Pflege stärkt, stärkt nicht nur ein Berufsbild. Er stärkt das Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit unseres Gemeinwesens.“

Die aktuelle Lage im Gesundheitswesen zeigt deutlich: Deutschland steht vor tiefgreifenden Versorgungsfragen. Demografie, Fachkräftesicherung, Krankenhausreform, Primärversorgung, Pflegeversicherung und die Finanzierungsdebatten in der gesetzlichen Krankenversicherung dürfen nicht länger getrennt betrachtet werden. Professionelle Pflege ist in all diesen Fragen kein nachgeordneter Kostenfaktor, sondern ein zentraler Lösungsfaktor. Sie verhindert Komplikationen, sichert Kontinuität, ermöglicht Prävention, begleitet chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen und entlastet andere Versorgungsbereiche.

„Soziale Gerechtigkeit entscheidet sich auch daran, ob Menschen im Alter, bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Behinderung verlässlich Zugang zu professioneller Pflege haben“, so Vogler. „Pflegerische Versorgung ist keine private Glückssache. Sie ist Teil des gesellschaftlichen Sicherheitsversprechens. Wenn Pflege fehlt, verlieren Menschen Halt. Wenn Pflege stark ist, gewinnen Menschen Sicherheit.“

Der Deutsche Pflegerat kritisiert, dass die berufliche Pflege in Deutschland ihre Kompetenzen weiterhin nicht im notwendigen Umfang einbringen kann. Pflegefachpersonen sind hoch qualifiziert, übernehmen Verantwortung in komplexen Versorgungssituationen und verfügen über Fähigkeiten, die für eine moderne Gesundheitsversorgung dringend gebraucht werden. Trotzdem werden pflegerische Kompetenzen politisch, rechtlich und finanziell noch immer zu eng begrenzt.

„Wir können es uns nicht mehr leisten, die Profession Pflege kleinzuhalten“, betont Vogler. „Deutschland braucht eine starke Pflege mit Handlungsspielräumen, eigenständiger Verantwortung, pflegerischer Diagnostik, erweiterten Befugnissen, akademischen Rollen, Advanced Practice Nurses (APN), Community Health Nurses (CHN), School Health Nurses (SHN) und echter Beteiligung an Steuerungsentscheidungen. Nur so wird die Versorgung sicherer, gerechter und zukunftsfähiger.“

Pflege ist auch ein stabilisierender Faktor für Demokratie. Sie begegnet Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen, Alter, Geschlecht oder sozialem Status. Sie schafft Vertrauen dort, wo Menschen verletzlich sind. Sie macht den Sozialstaat konkret erfahrbar – im Krankenhaus, in der Langzeitpflege, in der häuslichen Versorgung, in der Rehabilitation, in der Prävention und in der Primärversorgung.

„Demokratie lebt davon, dass Menschen erleben: Ich werde gesehen. Ich werde versorgt. Ich werde nicht allein gelassen“, sagt Vogler. „Genau das leistet Pflege jeden Tag. Deshalb ist der Internationale Tag der Pflegenden kein symbolischer Dankestag. Er ist ein politischer Auftrag.“

Der Deutsche Pflegerat fordert: Pflege muss verbindlich in alle relevanten Reformprozesse eingebunden werden. Ihre Kompetenzen müssen gesetzlich erweitert, in der Versorgung nutzbar gemacht und refinanziert werden. Pflege braucht faire Arbeitsbedingungen, gute Bildung, akademische Entwicklung, Selbstverwaltung und echte Mitsprache in den Entscheidungsstrukturen des Gesundheitswesens.

„Empowered Nurses Save Lives – gestärkte Pflegefachpersonen retten Leben. Für Deutschland heißt das: Wer Versorgung sichern will, muss Pflege stärken. Wer soziale Gerechtigkeit ernst meint, muss Pflege stärken. Und wer das Vertrauen in unseren Sozialstaat erhalten will, muss Pflege endlich als das behandeln, was sie ist: eine tragende Säule unserer Demokratie“, so Vogler.

Ansprechpartner:innen

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Michael Schulz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de

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