
Tempo runter, Sicherheit rauf!
Die Olchinger Grünen fordern mehr Mut für Verkehrssicherheit und kritisieren Versäumnisse der Staatsregierung.
Olching, 14. Januar 2026 – Trotz gestiegener Sensibilisierung für Verkehrssicherheit bleibt die Zahl schwerer Unfälle mit Fußgängern und Radfahrenden in Bayern auf hohem Niveau. Vor diesem Hintergrund hatten Bündnis 90/Die Grünen Olching am 8. Januar ins KOM eingeladen, um über kommunale Handlungsspielräume – insbesondere bei Tempo 30 – zu diskutieren. Als Referenten gewann die Partei Dr. Markus Büchler, mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, sowie Dr. med. Fabian Spannenkrebs, Unfallchirurg am Klinikum Fürstenfeldbruck. Moderiert wurde die Veranstaltung von Laura Müller, Bürgermeisterkandidatin der Olchinger Grünen.
Dr. Spannenkrebs betonte, dass Geschwindigkeit der entscheidende Faktor für schwere und tödliche Unfälle sei: „Bei einem Aufprall mit 30 km/h liegt das Todesrisiko für Fußgängerinnen oder Fußgänger bei etwa 10 Prozent – bei 50 km/h steigt es auf über 90 Prozent.“ Besonders gefährdet seien Kinder, ältere Menschen und Radfahrende. Als Lösung nannte er eine Kombination aus Tempo 30, baulicher Trennung der Verkehrsarten und konsequenter Kontrolle – wie sie etwa in Helsinki („Vision Zero“) erfolgreich umgesetzt werde.
Doch während die Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO) Kommunen grundsätzlich mehr Spielraum einräumt, scheitert die Umsetzung in Bayern an bürokratischen Hürden und politischer Untätigkeit. „Theoretisch dürfen Kommunen jetzt leichter Tempo 30 vor Schulen oder Zebrastreifen anordnen – praktisch fehlt seit Monaten eine verbindliche Auslegungshilfe des Innenministeriums“, kritisierte Markus Büchler. „Viele Städte und Gemeinden trauen sich nicht, die neuen Möglichkeiten zu nutzen.“
Die Diskussion mit 46 Teilnehmenden zeigte großen Handlungsbedarf: Gefordert wurden mehr stationäre Blitzer, mutigere Nutzung der StVO-Reform sowie kreative Lösungen wie Begegnungszonen wie nach dem Vorbild Freisings. „Verkehrssicherheit geht alle an – als Autofahrerinnen und Autofahrer, Eltern oder Seniorinnen und Senioren“, so Laura Müller. „Wir brauchen jetzt Taten statt Wartefristen. Die medizinischen Fakten sprechen klar für niedrigere Geschwindigkeiten.“
Die Veranstaltung markierte den Auftakt des Kommunalwahlkampfs der Olchinger Grünen. Geplant sind Folgeformate, um konkrete Maßnahmen für die nächste Legislaturperiode zu erarbeiten
Die komplette Veranstaltung ist auf dem Youtube-Kanal der Kreisgrünen abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=qRhdResa52E
Bilder:
Veranstaltung zum Thema Verkehrssicherheit am 8. Januar 2026 im KOM Olching (von links nach rechts): Dr. med. Fabian Spannenkrebs, Unfallchirurg; Laura Müller, Bürgermeisterkandidatin der Olchinger Grünen; Dr. Markus Büchler, Mobilitätsexperte und Mitglied des Bayerischen Landtags.
(Bildnachweis: Bernd Müller)













Sehr geehrte Frau Dr. Jaschke,
Ihre Behauptung der unbeabsichtigten Bestätigung ist leider aus 3 Gründen vollkommend falsch:
1) In den Amperauen handelt es sich nicht um Schleichwege, sondern ausgewiesene Fahrradwege.
2) sind meine Erwartungen an die öffentliche Hand nicht die, dass sie Alles für mich regeln muss. Gerne denke und entscheide ich mich für den sicheren Weg noch selber.
3) ist mir mein Leben wichtiger wie der Spruch „Er hätte Vorfahrt gehabt“ auf meinem Grabstein.
Die einzige Durchfahrtsstraße der Stadt Olching (Feursstraße/Hauptstraße) ist für den motorisierten Verkehr frei zuhalten.
In den Nebenstraßen schaut das wiederum anders aus.
Viele Grüße
Marcel Gemmeke
Nein, lieber Marcel, das sind teils ziemlich schräge Argumente (natürlich regelt der Staat über die StVO seit fast 100 Jahren das öffentliche Verkehrsgeschehen!), teils Irrtümer und Missverständnisse: Nur Autobahnen und Bundesstraßen sind für den motorisierten Verkehr freizuhalten. Ortsstraßen, und das gilt selbstverständlich auch für sogenannte Durchgangsstraßen wie die Dachauer- oder Hauptstraße, sind für alle Verkehrsteilnehmer da, also auch für Fußgänger und Radler, die, weil besonders verletzlich, auch eines besonderen Schutzes bedürfen! Das soll mit „weg vom Gas und runter mit dem Tempo“ erreicht werden. Genau darum geht es – um Schutz der Schwächeren durch die Begrenzung der Geschwindigkeit.
Als wär’s bestellt, hat der Merkur gestern eine Meldung gebracht „Tempo 30 in Rom. Neues Limit im gesamten Stadtzentrum“. Das neue Limit gilt im mehrere Kilometer durchmessenden historischen Zentrum sowie auf breiteren Verkehrsadern entlang des Stadtkerns. Damit wolle man erreichen, so Roms Verkehrsdezernent Eugenio Patanè, dass die Zahl der Verkehrsunfälle reduziert werde und die Zahl der Toten auf Null sinke. Studien, so Patenè weiter, hätten nur positive Ergebnisse gezeitigt, Tempo 30 sei „daher keine ideologische Entscheidung“.
Allerdings, lieber Marcel, und da hättest Du einfach Recht, Rom ist halt eine Weltstadt, die man natürlich nicht mit unserem beschaulichen Olching vergleichen kann…
Karl Haschke, SPD-Stadtrat
Eha, lieber Marcel, jetzt wirst‘ aber ziemlich schräg und ideologisch: Auch wenn die Öffentliche Hand nicht alles regeln muss – das Verkehrsgeschehen wird natürlich und notwendigerweise seit fast 100 Jahren zum Wohle aller vom Staat mit der StVO geregelt. Das ist auch gut so! Und dass, wie Du meinst, eine Ortsstraße, nur weil sie den Durchgangsverkehr aufnimmt, für den motorisierten Verkehr freizuhalten sei, ist schlicht ein Irrtum; das gilt für Autobahnen.
Auf öffentlichen Straßen aller Art, also auch für innerörtliche Durchgangs-, Haupt- und Nebenstraßen gilt der Paragraph 1 der StVO, der alle Verkehrsteilnehmer, Passanten, Radler, Automobilisten, zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet. Um Gefährdungen für Leib und Leben gerade der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu reduzieren, ist der Grundsatz „weg vom Gas und runter mit dem Tempo“ angesagt. Nicht mehr und nicht weniger steht in der Pressemitteilung der Grünen.
Als wär’s bestellt gewesen stand gestern im Münchner Merkur eine Meldung „Tempo 30 in Rom. Neues Limit im gesamten Stadtzentrum“. Berichtet wird, dass im gesamten, mehrere Kilometer durchmessenden Zentrum Roms sowie auf einigen breiteren Verkehrsadern entlang des Stadtkerns nur noch maximal Tempo 30 gefahren werden darf. Der Verkehrsdezernent der Stadt Rom, Eugenio Patanè, verband damit die Hoffnung, die Verkehrsunfälle zu reduzieren und die Zahl der Verkehrstoten auf Null zu senken. Eine Reihe von Studien, so Patanè weiter, hätten gezeigt, dass Tempo 30 die Gefährlichkeit und die Schwere von Unfällen verringere. „Es ist daher keine ideologische Entscheidung!“ Deshalb weg vom Gas und runter mit dem Tempo!
Karl Haschke
SPD-Stadtrat
Da haben sich ja, lieber Marcel, gleich mehrere Missverständnisse eingeschlichen: Schleichwege sind verkehrsarme Wegstrecken abseits der großen Straßen, wobei die Widmung überhaupt keine Rolle spielt. In Sachen Regelungen durch die öffentliche Hand bin ich schon froh, dass es neben vielen anderen Normen auch die Straßenverkehrsordnung gibt, über die auf Olchings Straßen verbindliche Regeln zum Wohle aller durchgesetzt werden. Und auch bei Deiner Unterscheidung zwischen Durchgangs-, Haupt- und Nebenstraßen liegt nach Dr. Google ein Missverständnis vor: Alle Ortsstraßen müssen zum Leidwesen vieler grundsätzlich für den motorisierten Verkehr freigehalten werden und Ausnahmen wie z.B. Spielstraßen bedürfen einer besonderen Kennzeichnung.
Darum ging’s den Grünen aber gar nicht. Die wollen Tempo 30, weil damit die Zahl der Unfälle gesenkt und deren Schwere verringert würde. Zu eben diesem Thema hat am gleichen Tag der Münchner Merkur einen sehr kleinen Artikel, „Tempo 30 in Rom. Neues Limit im gesamten Stadtzentrum“ veröffentlicht. Seit vergangenen Donnerstag darf im gesamten, mehrere Kilometer durchmessenden Stadtzentrum Roms sowie auf einigen breiteren Verkehrsadern nur noch Tempo 30 gefahren werden. Das Hauptziel der Maßnahme, so der Verkehrsdezernent Eugenio Patanè, „ist die Reduzierung von Verkehrsunfällen und (…) Senkung der Verkehrstoten auf Null“.
Wer nun darauf pocht, eine Weltstadt wie Rom könne niemals mit dem beschaulichen Olching verglichen werden, der hat natürlich Recht, was aber egal ist, weil die Gesetze der Physik und tausende von Studien zum Thema Tempo 30 auch in der oberbayerischen Provinz gelten. Deshalb weg vom Gas und runter mit dem Tempo.
Karl Haschke, SPD-Stadtrat
Die freundlich gemeinte Empfehlung an die Radfahrer*innen, Schleichwege zu nutzen und Umwege in Kauf zu nehmen, ist eine wohl eher unbeabsichtigte Bestätigung der kritisierten Probleme – nicht nur in der Hauptstraße. Feurs-, Fürstenfeldbrucker- oder auch die Dachauerstraße sind neben weiteren Straßen für Fußgänger*innen und Radelnde – insbesondere Kinder und Senior*innen – ein unsicheres Pflaster.
Die Novelle der StVO eröffnet den Kommunen eine Reihe an Möglichkeiten um die Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer*innen zu erhöhen. Nicht so in Bayern: weil eine verbindlichen Auslegungshilfe vom Innenministeriums verschleppt wird, sehen sich die zuständigen Aufsichtsbehörden nicht in der Lage, entsprechende Maßnahmen zuzulassen. Wir erinnern uns: die CSU hat sich vehement dafür eingesetzt, dass die Novelle der StVO für die schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen kein großer Wurf wurde.
Demnach kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit der verbindlichen Auslegungshilfe die neu eröffneten Spielräume der StVO durch das Bayerische Innenministerium – wenn nicht einkassiert – so doch (weiter) beschnitten werden. Es ist eher nicht mehr damit zu rechnen, daß die erwartete Auslegungshilfe noch vor der Kommunalwahl am 08. März kommt. Ein Schelm der Böses dabei denkt?
Im urbanen Raum und dazu zählt die Stadt Olching solle einfach der Fuß und Radverkehr vorrangig sein und sich nicht auf den Nebenstraßen abspielen.
Das zum Kommentar meiner beiden Kolleg*innen.
Warum machen sich’s die Kollegin und der Kollege denn gar so schwer, versuchen sich in „guten“ Ratschlägen, verweisen auf Schleichwege, empfehlen die Amperauen aussenrum, bemühen tote Gäule (Starzelbach-Umgehung) oder versuchen der Stadt/den Roten Verantwortlichkeiten in die Schuhe zu schieben, für die andere, staatliche Ämter, zuständig sind?
Die Antwort auf die mannigfaltigen Gefährdungen gerade der schwächsten Verkehrsteilnehmer ist doch so simpel, dass man eigentlich nur noch staunen kann; die Antwort lautet ganz einfach: Weg vom Gas und runter mit dem Tempo!
Karl Haschke, SPD-Stadtrat
Lieber Karl….wenn staatliche Ämter nicht in die „Pötte“ kommen muss man als Kommune mal etwas wagen ….wie zum Beispiel eine flächendeckende Tempo 30 Zone an der Dachauerstraße der ein hochfrequentierter Schulweg mit schmalem Bürgersteig ist.
Wenn ich von der Fürstenfeldbrucker Straße in die Hauptstraße will, fahre ich mit dem Radl entweder über die Amperauen oder nutze die Seitenstraßen (Siedlerstr., Rebhuhnstraße usw.). Im Übrigen erhöht sich die Verkehrssicherheit auch dann, wenn der Durchgangsverkehr erst garnicht in den Ort reinfährt.
Wo kurven Sie denn überall rum, Frau HArtl, nur um aus der Fürstenfeldbrucker in die Hauptstraße zu kommen.
Oder hoffen Sie auf Unkenntnis örtlicher Gegebenheiten, nur um zu verteidigen, dass das Landratsamt es war und ist, dass eine bereits von 1.Bgm. Magg mal angeordnete 30-KM-Begrenzung in der Hauptstraße wieder aufhob.
Rein ideologisch, gegen jede Vernunft, aus dem vom Landrat Karmasin (CSU) geführten Amt?
Soweit auch zu den Phrasen „Entscheidungen sollen vor Ort getroffen werden können“ aus dem bürokratischsten Bundesland der Republik.
Die CSU versucht Bayern wirklich mit Bürokratie und finanziell mit Zuteilungs-Gönnerhaftigkeiten zu regieren, wo es nur geht.
Und wo Tempo 30 nutzt, das kann nun wirklich jede Kommune besser beurteilen als eine staatliche Bürokratie.
Freundlichst
Ihr Alfred Münch
Ich fahre mit meinem Sohn, wenn ich vom Schwaigfeld (ZuHause) in die Hauptstraße möchte, mit dem Fahrrad in den Amperauen.
Da kann uns zum Glück kein Fahrzeug“erwischen“.
Schade ist, dass die Stadt und Stadtverwaltung wohl mehrer Jahre für die Sanierung der Brücke am Mühlbach benötigen wird.
Was spricht, wenn Sie soweit seitlich ausweichen, nur um die 500 mtr. auf der Hauptstraße entlang zu vermeiden, denn dann aus ihrer Sicht dagegen, die Feursstraße und die Hauptstraße mit Tempo30 und Markierungen für sicherere Radspuren auszustatten?
Sie können auch vom Schwaigfeld über Nebenstraßen bis zur Unterführung kommen, aber das ist nur wieder eine andere Ausweiche. Lauter Hilfskonstruktionen, die nichts an der Raserei ändern, die letztlich gerade wir an der Feursstraße wohnenden Anlieger jeden Tag erleben: Sobald die Straße in den Nebenzeiten freier ist, wird von Einzelnen gerast, was gerade geht. In den verkehrlichen Stoßzeiten geht noch nicht mal Tempo30, sondern alle Verkehre drängen sich – teils waghalsig – auf engem Raum mit Tempo 10-20 durch die Straße und manche drängeln dann die Schwächeren beiseite. DAs sind dann Radfahrer oder 2-Rad-Fahrer usw.
Eine Innenstadt ist kein Raum zum Schnellfahren, dort kann, dort soll es beruhigt vor sich gehen. Dort müssen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sein dürfen.
Ihre Argumente halte ich für vorsintflutlich!!!
Gruß
Alfred Münch