Ausgeglichener Haushalt, bayerische Knausrigkeit

Im Haderecker diskutierten Bürgermeisterkandidatin Julia Worch, der Parlamentarische Staatssekretär Michael Schrodi und Olchings Finanzreferent Fritz Botzenhardt über die Bereitstellung von Finanzmitteln in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. 

In Olching „gibt es eine sehr große SPD-Expertise zum Thema Finanzen“, und die sozialdemokratische Bürgermeister-Kandidatin Julia Worch brachte sie zusammen, um über die Frage zu sprechen: Wie viel Geld bekommt eine bayerische Stadt wie Olching vom Bund, wie viel steht ihr zu? Worch machte darauf aufmerksam, dass das Ausrufezeichen in der Einladung auch als Aufforderung gemeint ist – denn aus Sicht aller Sprecher am vergangenen Donnerstag in der Gastwirtschaft Haderecker gibt die Bayerische Staatsregierung viel zu wenig von jenem Geld weiter, das per Gesetz für die Kommunen vorgesehen ist.

Um das Thema auf allen Ebenen anzupacken, hielten Michael Schrodi, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, als Vertreter der Bundespolitik, sowie wie der SPD-Finanzreferent Fritz Botzenhardt Vorträge. Bürgermeister Andreas Magg sprach zu Beginn ein Grußwort und startete mit der positiven Nachricht, er könne „sehr guten Mutes sein“, dass der jüngst vorgelegte Haushalt für Olching mit einem Volumen von rund 78 Millionen Euro „mit sehr großer Mehrheit“ angenommen wird. Dieser Haushalt ist weitgehend ausgeglichen. Schrodi sagte, der aktuelle Landratskandidat Magg habe bewiesen, dass es „18 Jahre lang in Olching unter sozialdemokratischer Führung gut funktioniert“. Botzenhardt betonte, dass in Zeiten klammer Kassen sich die meisten Kommunen schwertäten, überhaupt einen Haushalt aufzustellen, da sei in Olching ein großer Wurf gelungen. „Gegen diesen Haushalt gibt es nichts zu sagen“, so der scheidende Stadtrat (Jahrgang 1951). Es gebe aber Stimmen im Stadtrat, die eine Ablehnung angedeutet hätten, „um den Haushalt politisch zu instrumentalisieren – „da kann ich nur sagen: peinlich“, so Botzenhardt, „wer sich so verhält, ist gegen Olching.“

Staatssekretär Schrodi betonte zunächst, dass sich bundesweite und sogar weltpolitische Ereignisse unmittelbar auf das Stadtsäckel auswirken können. Nach der Pandemie und dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der auch der europäischen Wirtschaft schadet, habe auch Berlin weniger Gelder zu verteilen. Zugleich gebe es in Deutschland einen großen Modernisierungsstau. „Mit dem Sondervermögen sollen keine Haushaltslöcher gestopft, sondern Investitionen finanziert werden“, erklärte er. 100 Milliarden Euro gehen allein an die Länder und Kommunen. Das Problem: Vieles von der Riesensumme, die in Berlin beschlossen wurde, komme überhaupt nicht in den Kommunen an – und besonders wenig in Bayern. „Bayern erhält 15,7 Milliarden Euro, davon gehen derzeit nur 12,7 Prozent direkt an die Kommunen“, erklärt er. Ein größerer Teil, nämlich drei Milliarden Euro, dienten der Aufstockung von Fördertöpfen des Landes. „Diese sind aber wahnsinnig bürokratisch“ und zwängen zudem viele Kommunen zu einer Eigenbeteiligung. „Bayern droht, dass da vieles verpufft“, sagt er. Die Staatsregierung habe vor Verabschiedung des Gesetzes mit verhindert, dass ein klar definierter Anteil von mindestens 60 Prozent für die Kommunen festgelegt wird. „Wenn man den Kommunen 70 Prozent der Ausgaben aufhalst, sollte man auch 70 Prozent der Einnahmen bekommen“, forderte Julia Worch. Botzenhardt erklärte, im Rathaus sei man eher pessimistisch, ob Olching angemessene Mittel aus dem Sondervermögen erhalten werde. Mit Blick auf die kostenintensive PR des bayerischen Ministerpräsidenten forderte Schrodi: „Statt noch mehr Hochglanzbilder von Söder mit Döner ein bisschen mehr Geld für die Kommunen!“ Diese wüssten ohnehin am besten, welche Anschaffungen am nötigsten seien.

Worch kündigte an, als Bürgermeisterin die wirtschaftliche Stärke Olchings weiter ausbauen zu wollen. Mit Blick auf Finanzthemen erklärte sie, sie plane die Einrichtung einer Mietberatungsstelle und eine Stärkung des Stadtmarketings, um Olching für Wirtschaftstreibende noch attraktiver zu machen.

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2 Antworten zu Ausgeglichener Haushalt, bayerische Knausrigkeit

  1. Marina Freudenstein (Stadträtin) sagt:

    Den jetzt vorgelegten Haushaltsenwurf einen „goßen Wurf“ zu nennen, ist eine äußerst mutige Aussage. Wer den Haushalt kennt und sich nur ein bisserl unter der Oberfläche der (noch immer nicht endgültig hergestellten „Ausgeglichenheit“) auskennt, der und die weiß: Dieser Haushalt spart und kürzt in zentralen Bereichen: Straßenunterhalt, Wohnungssanierung, Instandhaltung städtischer Gebäude wie Rathaus, Kolpingheim und Hallenbad etc. und die angesetzte Pauschalkürzung beim Personal ist wohl auch zu hoch angesetzt. Investitionen werden in die Zukunft geschoben, sogar für die Feuerwehren schaut es düster aus. Das Diktum des ausgeglichenen Haushalts inkl. neuer Darlehen und hohe Rücklagenentnahmen wird dem neuen Stadtrat schwer auf die Füße fallen – weil er der Zukunft den Gestaltungsraum nimmt und die zukünftige Bürgermeisterin vor harte Entscheidungen stellen wird, die jetzt noch gescheut werden.
    Ein paar der gravierendsten Vorhaben im Entwurf wurden vom Hauptausschuss wieder zurückgenommen. Nur dadurch und weil NIEMAND im Stadtrat die Haushaltsplanung politisch instrumentalisieren möchte (was aufgrund seiner Schwächen durchaus möglich wäre!) wird er mit großer Mehrheit beschlossen werden.
    All das ändert aber nichts daran, dass die CSU in Bayern die Kommunen seit Jahren im Stich lässt und Bundesmittel lieber in die eigenen Vorhaben steckt.
    Marina Freudenstein
    Stadträtin B90/GRÜNE

  2. Karl Haschke sagt:

    Der Geldsegen, der auf Länder und Kommunen zukommt, 100 Mrd. Euro, hört sich gewaltig an. Auf den gesamten Förderzeitraum von zwölf Jahren bezogen relativiert sich diese Summe aber ganz gewaltig; es sind dann durchschnittlich gerade mal 8,3 Mrd. pro Jahr.
    Die meisten Bundesländer, gleich ob CDU-, SPD- oder Grünregiert, halten sich an die ursprünglich ins Auge gefasste Maßgabe des Bundes, mindestens 60 % der Sondermittel direkt an die Kommunen weiterzugeben, so z.B.:
    Nordrheinwestfalen: 68 %;
    Schleswig-Holstein: 63 %;
    Sachsen-Anhalt: 66 %;
    Niedersachsen: 72 %;
    Rheinland-Pfalz: 53 %;
    Baden-Württemberg: 66 % (alle Zahlen können gegoogelt werden).
    Das reichste Bundesland hingegen, Bayern, lässt seine Städte und Gemeinden im Regen stehen. Mickrige 12.7 % des auf Bayern entfallenden Betrags sollen nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung an die Kommunen durchgereicht werden.
    Zu diesem Thema gab der Bayerische Finanzminister Füracker dem Sender BR24 am 12.09.2025 ein wirklich sehenswertes Interview, das an Dürftigkeit nicht mehr zu überbieten ist.

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