Kammerkonzert der Superlative

Die Veranstalter des Kammerkonzertes am vergangenen Freitag im Olchinger KOM haben nicht zu viel versprochen: die musikalische Schatzkiste brachte zahlreiche Leckerbissen auf das Tablett! Gleich zu Beginn des Konzertes erfreute das Quartett für 2 Violinen, Violoncello und Akkordeon von Antonín Dvorák das Publikum mit den „Bagatellen op. 47“ aus dem Jahr 1878. Die Geigerinnen Claudia Bahr und Maria Winter mit der Cellistin Christina Kudym – die auch die Moderation des Abends souverän und sympathisch übernommen hatte –  eröffneten mit dem typischen „Dvorák Klang“,  gefühlvoll durch das Akkordeon (anstelle des ursprünglich vorgeschriebenen Harmoniums) von Giorgos Lolas begleitet. Schloss der Zuhörer dabei die Augen, so zogen Anklänge an die Sinfonien sowie an die Slavischen Tänze des Komponisten wie Wolken am geistigen Himmel vorbei.

Michail Glinka war der zweite Komponist des Abends: seine „Drei russischen Lieder“ für Violine, Violoncello und Harfe verzauberten die Stimmung im Gretl-Bauer-Saal. Schließlich steigerte sich vor der Pause noch einmal die Anzahl der Musiker bei der „Ouvertüre über hebräische Themen in c–moll“ op. 34 des russischen Komponisten Sergei Prokofieff. Zu dem Werk für Klarinette – mit angenehmen Ton und beeindruckender Technik ausgeführt von Albert Galimzanov – Streichquartett – vervollständigt durch den Bratschisten Martin Babica – und Klavier (Nóra Pintér),  schildert der Komponist in seinen autobiographischen Aufzeichnungen die spontane Entstehung:  Im Herbst 1919 kam ein jüdisches Ensemble nach Amerika ehemalige Kommilitonen vom St. Petersburger Konservatorium. In ihrem Repertoire befand sich recht interessante jüdische Musik. „Schreiben Sie uns eine Ouvertüre für Sextett“, baten sie und gaben mir ein Heft mit hebräischen Themen. Als ich eines Abends darin blätterte, suchte ich einige angenehm klingende Melodien aus, begann am Klavier zu improvisieren und bemerkte plötzlich, dass sich ohne mein Zutun ganze Stücke zusammenfügten. Anderntags setzte ich mich morgens an den Schreibtisch, und am Abend war die Ouvertüre fertig. –

Nach der Pause erklang ein Spätwerk von W. A. Mozart: das Adagio und Rondo in c-moll, KV 617 – ursprünglich für Glasharmonika, Flöte, Oboe, Viola und Violoncello komponiert. In der besuchten Aufführung wurde wie heutzutage üblich die Glasharmonika durch die Harfe mit Mirjam Weschle ersetzt. Das selten gespielte Quartett in g-moll von Jean Sibelius für Violine, Violoncello, Akkordeon und Klavier führte die Zuhörer, durch die informative und auch humorvolle Moderation von Christina Kudym, in die Weiten Finnlands.

Der Ausklang des Abends war dem Meister des Tango Nuevo, Astor Piazzolla, vorbehalten. Aus den „Cuatro Estaciones Porteñas“ erklang „Invierno Porteño“ – entstanden im  Jahre 1969 – nicht nur leicht und fröhlich, sondern durchaus auch energiegeladen oder auch melancholisch mit „winterlichen“ Gedanken. Die deutliche Konzentration und positive Anspannung der Musiker übertrug sich auf das Publikum, das bis zum letzten Verklingen der Musik in absoluter Ruhe verharrte.

Begeisterter Applaus im vollbesetzten KOM belohnte die glücklichen Musiker von 3klang e.V. und erst nach einer „erklatschten“ Zugabe durften die Musiker sich nach einem langen Abend mit selten gehörten Kostbarkeiten zurückziehen. Ein glückliches Publikum verließ das KOM – und der Wunsch nach einer Fortsetzung dieser Idee wird wohl im neuen Jahr in Erfüllung gehen!

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